Aktives vs. Passives Investieren: Eine umfassende Analyse für den langfristigen Vermögensaufbau

Zusammenfassung und Empfehlung

Die Frage, ob aktives oder passives Investieren langfristig die überlegenere Anlagestrategie darstellt, gehört zu den fundamentalen Debatten in der Finanzwelt. Auf Basis einer umfassenden Analyse finanzwissenschaftlicher Theorien, empirischer Studien und praktischer Implikationen lässt sich eine klare Schlussfolgerung ziehen.

Die empirische Evidenz, gestützt durch jahrzehntelange unabhängige Forschung, belegt, dass die überwiegende Mehrheit der aktiv gemanagten Fonds nach Abzug der Kosten nicht in der Lage ist, ihre jeweiligen Marktindizes langfristig zu übertreffen.1

Für den langfristigen Vermögensaufbau eines Privatanlegers ist ein diszipliniertes passives Investment in ein global diversifiziertes Portfolio mit wenigen kostengünstigen ETFs die statistisch überlegenste, transparenteste und am einfachsten umzusetzende Strategie.4 Diese Strategie minimiert Kosten und Zeitaufwand, während sie gleichzeitig eine breite Diversifikation und die Teilhabe am langfristigen globalen Wirtschaftswachstum ermöglicht.

Für Anleger, die den Wunsch nach aktiver Beteiligung verspüren, aber die Fallstricke einer rein aktiven Strategie vermeiden möchten, bietet sich ein hybrider Ansatz an: die Core-Satellite-Strategie. Diese Methode kombiniert einen stabilen, passiven Kern mit kleineren, aktiven Beimischungen, um individuelle Akzente zu setzen, ohne das Gesamtportfolio einem übermäßigen Risiko auszusetzen.5

Der vorliegende Artikel liefert eine fundierte Begründung für diese Empfehlungen, indem er die theoretischen Grundlagen erläutert, die wichtigsten Studien zusammenfasst und die praktischen Vor- und Nachteile beider Anlagestile detailliert gegenüberstellt.

Aktives vs. passives Investieren

Grundlagen der Vermögensanlage: Eine definitorische Abgrenzung

Um die Diskussion über die langfristige Überlegenheit beider Anlagestile zu führen, ist eine klare Definition der jeweiligen Konzepte unerlässlich.

Aktives Investieren: Die Jagd nach Überrenditen

Aktives Investieren ist eine Anlagestrategie, deren explizites Ziel es ist, eine höhere Rendite als der Gesamtmarkt oder eine bestimmte Benchmark zu erzielen.8 Dies erfordert kontinuierliche Entscheidungen über den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren. Hinter dieser Strategie steht die Überzeugung, dass es möglich ist, ineffiziente Märkte oder unterbewertete Wertpapiere zu identifizieren und daraus einen Vorteil zu ziehen.2

Die häufigsten Methoden, die von aktiven Anlegern oder Fondsmanagern angewendet werden, sind:

  • Stock-Picking: Hierbei werden gezielt einzelne Aktien ausgewählt, die basierend auf fundamentaler Analyse oder Marktforschung als besonders aussichtsreich oder unterbewertet gelten.8 Eine intensive Analyse von Unternehmensbilanzen, Managementqualität und Marktentwicklungen ist dafür essenziell.8
  • Market-Timing: Dies ist der Versuch, den idealen Zeitpunkt für den Kauf (in einem Markttief) und den Verkauf (auf einem Markthoch) von Wertpapieren zu prognostizieren und umzusetzen.8 Eine konstante Beobachtung kurzfristiger Marktschwankungen ist hierfür notwendig.8
  • Sektor- oder Regionenallokation: Aktive Manager können ihr Portfolio auch durch die gezielte Übergewichtung von Regionen, Branchen oder Themen steuern, von denen sie eine bessere Performance erwarten.9

Passives Investieren: Dem Markt vertrauen

Im Gegensatz dazu akzeptiert der passive Anleger die Marktrendite als gegeben und strebt nicht danach, sie zu übertreffen.4 Die zugrunde liegende Strategie ist das „Buy-and-Hold“-Prinzip, bei dem Wertpapiere langfristig gehalten werden, um vom kontinuierlichen, historischen Wachstum der globalen Märkte zu profitieren.4

Das vorherrschende Instrument für passives Investieren sind Exchange Traded Funds (ETFs).9 Ein ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der die Wertentwicklung eines bestimmten Index (z. B. MSCI World, DAX) möglichst exakt nachbildet.14 Da kein Fondsmanager aktiv in die Auswahl der Wertpapiere eingreift, sind die Verwaltungskosten im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds extrem niedrig.9

Fonds vs. ETFs: Werkzeuge der Strategie

Sowohl klassische Investmentfonds als auch ETFs sind „Körbe voller Wertpapiere“, die das Kapital vieler Anleger bündeln, um in eine Vielzahl von Vermögenswerten wie Aktien, Anleihen oder Rohstoffe zu investieren und somit das Risiko zu streuen.14 Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Art und Weise, wie diese „Körbe“ verwaltet werden. Aktiv gemanagte Fonds unterliegen den Entscheidungen eines Fondsmanagements, das versucht, durch gezielte Transaktionen eine Überrendite zu erzielen. ETFs hingegen sind in der Regel passive Anlageformen, deren Zusammensetzung automatisiert und computergesteuert einem Vergleichsindex folgt.1 Diese fundamentale Differenz in der Verwaltung spiegelt sich unmittelbar in den Kostenstrukturen und den potenziellen Renditeergebnissen wider.

Die wissenschaftliche Perspektive: Eine fundamentale Analyse

Die empirischen Daten, die die Underperformance aktiver Manager belegen, lassen sich nicht ohne die zugrunde liegende Finanztheorie verstehen. Zwei zentrale Konzepte erklären, warum das Schlagen des Marktes eine so schwierige und unwahrscheinliche Aufgabe ist.

Die Markteffizienzhypothese (EMH) nach Eugene Fama

Die von Eugene Fama formulierte Markteffizienzhypothese (EMH) besagt, dass die Preise an den Finanzmärkten zu jedem Zeitpunkt alle verfügbaren, preisrelevanten Informationen widerspiegeln.17 Dies bedeutet, dass die kollektive Intelligenz von Millionen von Marktteilnehmern alle neuen Informationen bereits in den aktuellen Preis eingearbeitet hat. Das impliziert, dass es so gut wie unmöglich ist, auf Grundlage öffentlich zugänglicher Informationen systematisch und wiederholt eine Überrendite zu erzielen.2

Das EMH-Konzept wird oft missverstanden. Es postuliert nicht, dass die Märkte perfekt sind, sondern dass die Suche nach Fehlbewertungen und deren Ausnutzung zeitaufwändig, ressourcenintensiv und kostspielig ist.17 Die Dynamik wird von aktiven Investoren selbst angetrieben, die ständig nach fehlerhaften Preisen suchen und diese korrigieren. Dieser Prozess erhöht die Effizienz der Märkte, was es für den einzelnen Anleger in der Folge immer schwieriger macht, eine Überrendite zu erzielen. Es entsteht ein Paradoxon: Aktive Manager sind systemisch wichtig, um die Märkte effizient zu halten, aber ihr gemeinsames Wirken reduziert die eigenen Erfolgsaussichten.9

Das Zero-Sum-Game und die Kostenfalle

Ein weiterer, rein logischer Grund für die Schwierigkeiten aktiver Anleger ist die Zero-Sum-Game-Theorie. Diese besagt, dass für jede Überrendite eines aktiven Anlegers eine entsprechende Unterrendite eines anderen Marktteilnehmers existieren muss.17 Vor der Berücksichtigung von Kosten und Gebühren ist der Markt also ein Nullsummenspiel.

Die entscheidende Komponente, die das Zero-Sum-Game in ein „Zero-Sum-Game minus Kosten“ verwandelt, sind die Gebühren. Aktives Investieren ist deutlich teurer als passives Investieren.1 Während die Performance der aktiven Anlegergruppe vor Kosten nullsummig ist, wird ihre Gesamtperformance nach Abzug von Verwaltungskosten, Ausgabeaufschlägen, Performancegebühren und Transaktionskosten zwangsläufig negativ.18 Da die Gewinne der passivem Anleger die Summe der Gewinne aller aktiven Anleger widerspiegeln, bedeutet dies, dass passive Anleger automatisch einen Vorteil gegenüber der durchschnittlichen Performance des aktiven Segments haben.

Die empirische Realität: Was die globalen Studien belegen

Die theoretischen Konzepte werden durch umfangreiche empirische Studien bestätigt.

Eine datengestützte Analyse: Die S&P Dow Jones Indices (SPIVA) Scorecards

Die halbjährlich erscheinenden SPIVA (S&P Indices Versus Active) Scorecards gelten als Goldstandard für den Vergleich von aktiver und passiver Performance.21 Ihre Methodik ist besonders zuverlässig, da sie zwei entscheidende statistische Verzerrungen korrigiert: den Survivorship Bias und den unpassenden Benchmark-Vergleich.21

Der Survivorship Bias ist die statistische Tendenz, bei der Analyse der Performance von Fonds nur jene zu berücksichtigen, die heute noch existieren.23 Fonds, die aufgrund schlechter Performance geschlossen, liquidiert oder mit anderen Fonds fusioniert wurden, werden ignoriert. Diese Verzerrung führt dazu, dass die durchschnittliche Performance der Fondscommunity unrealistisch positiv erscheint.24 SPIVA und Morningstar hingegen beziehen das gesamte ursprüngliche Universum der Fonds in ihre Analyse mit ein, was die tatsächliche Underperformance sichtbar macht.21

Die Ergebnisse der SPIVA-Studien sind global konsistent:

  • USA: Über einen Zeitraum von 15 Jahren bis Ende 2024 gelang es lediglich 10,5 % der aktiv gemanagten Large-Cap-Fonds, den S&P 500 zu übertreffen.3
  • Europa: Die Ergebnisse fallen ähnlich aus. Über einen Zeitraum von 10 Jahren bis Ende 2021 gelang es beispielsweise nur 16,8 % der Europa-Aktienfonds, ihre Benchmark zu schlagen. Bei globalen Aktienfonds lag der Erfolg über 10 Jahre bei weniger als 4 %.22
  • Ausnahmen: Es gibt vereinzelt Nischenmärkte wie britische Small-Caps oder bestimmte Anleihekategorien, in denen aktive Manager kurzfristig bessere Ergebnisse erzielen konnten.25 Langfristig bleibt die Underperformance jedoch die Regel.

Morningstar und Vanguard: Weitere Belege

Auch andere führende Analysehäuser bestätigen diese Erkenntnisse. Der Morningstar European Active/Passive Barometer-Bericht 2022 zeigte, dass selbst in einem volatilen Marktumfeld, das angeblich die Stärke aktiver Manager demonstrieren sollte, lediglich 29 % der aktiven Fondsmanager in Europa ihre passiven Konkurrenten übertrafen.26

Die Forschungsabteilung von Vanguard stützt diese Ergebnisse ebenfalls und führt die Underperformance auf die Unfähigkeit der meisten Manager zurück, ein positives „faktor-bereinigtes Alpha“ zu generieren.19 Alpha ist der einzigartige Renditebestandteil, der nicht durch Marktrisiko oder andere Faktoren erklärt werden kann, sondern auf dem reinen Können des Managers in der Wertpapierauswahl oder im Market-Timing beruht. Ein großer Teil der von aktiven Managern generierten Rendite kann stattdessen durch die Ausrichtung auf bestimmte Risikofaktoren wie Small-Cap- oder Value-Titel erklärt werden.19

Tabelle 1: Langfristige Underperformance von aktiv gemanagten Fonds

Fondskategorie (Europa)1 Jahr3 Jahre5 Jahre10 Jahre15 Jahre
Europe Equity74,8 %62,2 %72,6 %83,2 %n. v.
Global Equity81,6 %80,2 %85,7 %96,4 %n. v.
Emerging Markets Equity74,2 %70,1 %83,8 %94,3 %n. v.
U.S. Equity86,5 %n. v.n. v.n. v.89,5 %¹

¹ Daten aus dem US-SPIVA-Report, Ende 2024.

Quelle: S&P Dow Jones Indices (SPIVA Europe Scorecard Year-End 2021) und weitere Berichte.3

Gegenüberstellung: Vor- und Nachteile im Detail

Die Wahl zwischen aktivem und passivem Investieren ist auch eine Frage der persönlichen Präferenzen und der Risikobereitschaft.

Vorteile und Nachteile passiver Anlagestrategien

VorteileNachteile
Geringe Kosten: Die extrem niedrigen Gebühren von ETFs (oft unter 0,5 % p.a.) maximieren den Zinseszinseffekt der Rendite.8Keine Überrendite: Die Strategie zielt darauf ab, die Marktrendite abzubilden, nicht sie zu übertreffen.8
Hohe Diversifikation: Mit einem einzigen ETF kann ein Anleger in Tausende von Unternehmen weltweit investieren und somit das Risiko auf ein Minimum reduzieren.4Ungebremster Abwärtstrend: Bei einem Markteinbruch nimmt der ETF den gesamten Verlust des Indexes mit, da es kein aktives Risikomanagement gibt, das Verluste begrenzen könnte.1
Geringer Zeitaufwand: Einmal aufgesetzt, erfordert das Portfolio nur minimalen Aufwand für das jährliche Rebalancing.4Das „Trittbrettfahrer“-Problem: Eine zu hohe Dominanz passiver Investoren könnte die preisbildende Funktion des Marktes abschwächen und somit die Märkte ineffizienter machen.17
Einfachheit & Transparenz: Die Strategie ist leicht verständlich und eignet sich auch für Einsteiger.4 Die genaue Zusammensetzung des Fonds ist jederzeit transparent.1Eingeschränkte Flexibilität: Market-Timing ist bei einem passiven Ansatz schwer umzusetzen, wodurch potenziell günstige Ein- und Ausstiegszeitpunkte verpasst werden können.4

Vorteile und Nachteile aktiver Anlagestrategien

VorteileNachteile
Potenzial für Überrenditen: Die theoretische Chance, ineffiziente Märkte oder unterbewertete Aktien zu finden und den Index zu übertreffen.8Hohe Kosten: Die Gebührenstruktur ist komplex (Ausgabeaufschlag, Verwaltungs-, Performancegebühren) und schmälert die Rendite massiv.1
Flexibilität & Risikomanagement: Aktive Manager können in schwierigen Marktphasen schneller reagieren, Absicherungen vornehmen oder in defensivere Anlagen umschichten, um das Verlustrisiko zu mindern.1Hoher Zeitaufwand: Eine rein aktive Strategie erfordert konstante Analyse und Marktbeobachtung, was für private Anleger kaum umsetzbar ist.9
Branchen- und Themenschwerpunkte: Aktive Anleger können gezielt in Sektoren oder Trends investieren, die sie für vielversprechend halten.9Geringe Erfolgswahrscheinlichkeit: Die empirischen Belege zeigen, dass das Ziel, den Markt zu schlagen, nur selten und nicht dauerhaft erreicht wird.1
Gezielte Auswahl: Aktives Investieren ermöglicht die gezielte Auswahl von Einzelwerten, was ein höheres Maß an Kontrolle suggeriert.9Intransparenz: Die genaue Zusammensetzung des Portfolios wird oft erst nachträglich veröffentlicht.1

Steuerliche Implikationen

Die steuerlichen Auswirkungen sind ein oft unterschätzter Faktor, der die langfristige Rendite massiv beeinflusst. Aktive Fonds weisen aufgrund des häufigen Kaufs und Verkaufs von Wertpapieren eine hohe Umschlagshäufigkeit (Turnover) auf.18 Jeder realisierte Gewinn löst in der Regel sofort die Abgeltungsteuer aus.32 Bei einer passiven Buy-and-Hold-Strategie, insbesondere mit thesaurierenden ETFs, werden Gewinne hingegen so lange wie möglich nicht realisiert. Dieser sogenannte

Stundungseffekt ermöglicht es, dass das gesamte Kapital, einschliesslich der noch nicht versteuerten Gewinne, weiter Zinseszins erwirtschaftet. Über Jahrzehnte hinweg führt dieser Vorteil zu einem signifikanten Renditevorsprung gegenüber der aktiven Strategie, bei der die Steuerlast die compounding-Effekte frühzeitig schmälert.13

Übertragung auf Ihre persönliche Anlagestrategie

Die Erkenntnisse aus der wissenschaftlichen und empirischen Analyse lassen sich direkt auf die persönlichen Fragestellungen eines Anlegers übertragen.

Die Herausforderung des Market Timing für private Anleger

Der Versuch, den perfekten Zeitpunkt für den Ein- und Ausstieg in den Markt zu finden, ist eine der riskantesten Facetten aktiven Investierens. Die alte Börsenweisheit „Time in the market beats timing the market“ („Zeit im Markt schlägt das Timing des Marktes“) ist wissenschaftlich gut belegt.11 Die Daten zeigen, dass der Versuch, die besten Börsentage zu erwischen und die schlechtesten zu vermeiden, fast immer zu schlechteren Ergebnissen führt als eine einfache Buy-and-Hold-Strategie.34 Selbst für professionelle Anleger ist es unwahrscheinlicher, im Langzeitvergleich die besten Tage zu treffen, als einen Sechser im Lotto zu erzielen.12

Aktives vs. passives Investieren

Das passive Weltportfolio: Einfachheit und Robustheit

Die einfachste und robusteste Umsetzung der passiven Anlagestrategie ist der Aufbau eines globalen Weltportfolios. Ein solches Portfolio zielt darauf ab, die globalen Aktienmärkte möglichst breit abzubilden. Eine gängige und erprobte Aufteilung besteht aus einer Allokation von 70 % in Industrieländer und 30 % in Schwellenländer.28

Ein solches Portfolio kann mit nur zwei kostengünstigen ETFs umgesetzt werden, zum Beispiel einem ETF auf den MSCI World und einem ETF auf den MSCI Emerging Markets.28 Der Verwaltungsaufwand ist minimal und beschränkt sich auf das jährliche

Rebalancing. Dieser Prozess stellt sicher, dass die ursprüngliche Gewichtung beibehalten wird, indem überproportional gewachsene Positionen teilweise verkauft und unterbewertete aufgestockt werden. Dadurch wird das Portfolio regelmäßig auf sein ursprüngliches Risikoprofil zurückgeführt, was ein diszipliniertes Vorgehen ohne emotionale Entscheidungen fördert.37

Eine hybride Lösung: Die Core-Satellite-Strategie als goldener Mittelweg

Für Anleger, die nicht vollständig auf aktive Entscheidungen verzichten möchten, bietet die Core-Satellite-Strategie eine intelligente Lösung. Sie kombiniert das Beste aus beiden Welten: die Effizienz und Stabilität passiver Anlagen mit dem Potenzial für eine aktive Überrendite.

  • Der Kern (Core): Dieser bildet das stabile Fundament des Portfolios. Er sollte den überwiegenden Teil des Kapitals (typischerweise 70 % bis 80 %) ausmachen und in breit diversifizierte, kostengünstige passive Anlagen wie ETFs auf globale Indizes investiert werden.6 Der Kern sorgt für eine solide Grundrendite und minimiert Kosten, Volatilität und Steuerbelastung.39
  • Die Satelliten (Satellites): Sie machen einen kleineren Teil des Portfolios aus (typischerweise 20 % bis 30 %) und dienen dazu, taktische oder strategische Akzente zu setzen.6 Hier können Anleger in spezifische Regionen, Sektoren oder Themen investieren, die sie für besonders vielversprechend halten (z. B. Technologie, Clean Energy, Emerging Markets).7 Die Satelliten können sowohl aus aktiv gemanagten Fonds als auch aus speziellen thematischen ETFs oder sogar Einzelaktien bestehen.39

Dieser Ansatz ermöglicht es, die langfristige Performance des Portfolios zu sichern, während gleichzeitig ein kleinerer Teil für spekulative, renditeorientierte Entscheidungen genutzt wird.7

Tabelle 2: Beispiel Core-Satellite-Struktur

KomponenteAllokationAnlageinstrumenteZiel
Core70 % – 80 %Globale Aktien-ETFs (z. B. MSCI World, MSCI ACWI), Anleihen-ETFsStabile, breit diversifizierte Grundrendite, minimaler Aufwand und geringe Kosten
Satellites20 % – 30 %Thematische ETFs (z. B. Technologie, nachhaltige Energien), aktiv gemanagte Nischenfonds, EinzelaktienGezielte Mehrrendite durch spezifische Trends, Sektoren oder Regionen; Anpassung an individuelle Überzeugungen

Schlussfolgerung: Eine maßgeschneiderte Empfehlung

Die Entscheidung zwischen aktivem und passivem Investieren sollte nicht als Glaubensfrage betrachtet werden. Die wissenschaftlichen und empirischen Daten sind eindeutig: Aufgrund der hohen Kosten, der Markteffizienz und der statistisch geringen Erfolgsaussichten ist passives Investieren für den durchschnittlichen Anleger die langfristig überlegene und zuverlässigere Strategie.1

Die Übertragung der Erkenntnisse auf die persönliche Anlagestrategie lässt sich in einer klaren Empfehlung zusammenfassen:

  • Für den Großteil der Anleger: Ein passives Weltportfolio, umgesetzt mit wenigen, kostengünstigen ETFs, stellt die optimale Lösung dar. Diese Strategie erfordert minimalen Zeitaufwand, bietet maximale Diversifikation und nutzt den Zinseszins- und Stundungseffekt der Abgeltungssteuer optimal aus.4 Es handelt sich um einen rationalen Ansatz, der auf dem Vertrauen in die langfristige Aufwärtsbewegung der globalen Wirtschaft beruht.
  • Für den Anleger, der aktiv bleiben möchte: Die Core-Satellite-Strategie ist ein ausgezeichneter Kompromiss. Sie sichert die Stabilität und die Rendite des größten Teils des Vermögens, während sie gleichzeitig die Flexibilität bietet, mit einem kleineren, strategisch festgelegten Anteil des Portfolios aktiv an Marktentwicklungen teilzunehmen.6

Unabhängig von der gewählten Strategie ist der wichtigste Faktor für den langfristigen Erfolg die Disziplin. Anleger sollten sich nicht von kurzfristiger Volatilität zu emotionalen Entscheidungen verleiten lassen und konsequent an ihrer Strategie festhalten.11 Der größte Hebel für den Vermögensaufbau ist die Zeit, die das Kapital im Markt verbringt, nicht der Versuch, den Markt zu timen.11

Die Rolle eines unabhängigen Finanzcoaches

Ein Finanzcoach auf Honorarbasis unterstützt bei:

  • der Wahl zwischen aktiven, passiven oder hybriden Ansätzen,
  • der Vermeidung typischer Anlegerfehler (z. B. Market-Timing, teure Fonds),
  • der Entwicklung einer klaren, individuellen Anlagestrategie,
  • objektiver Beratung ohne Verkaufsdruck oder Provisionsinteressen.

Für vermögende Privatkunden und Stiftungen ist dies besonders relevant: Hohe Anlagesummen verstärken die Wirkung kleiner Kostenunterschiede und Anlagefehler erheblich.

FAQ: Aktives vs. passives Investieren

Was ist der Unterschied zwischen aktivem und passivem Investieren?

Beim aktiven Investieren versuchen Fondsmanager oder Anleger, den Markt durch gezielte Auswahl von Aktien, Anleihen oder Timing-Strategien zu schlagen. Beim passiven Investieren wird ein Index (z. B. der MSCI World) möglichst genau nachgebildet – typischerweise über ETFs – mit dem Ziel, die Marktrendite zu erreichen.

Welche Strategie bringt höhere Renditen?

Langfristige Studien (z. B. S&P SPIVA-Reports) zeigen, dass die Mehrheit der aktiv gemanagten Fonds ihren Vergleichsindex nicht dauerhaft übertrifft. Passives Investieren erzielt in vielen Fällen eine bessere Rendite, da Kosten geringer sind und Anleger Marktschwankungen einfacher „aussitzen“ können.

Für wen eignet sich passives Investieren?

Passives Investieren eignet sich vor allem für Privatanleger, die langfristig Vermögen aufbauen möchten, ohne sich intensiv mit Börsenanalysen zu beschäftigen. Es ist kostengünstig, transparent und leicht verständlich.

Wann macht aktives Investieren Sinn?

Aktives Investieren kann interessant sein für Anleger, die:

  • besondere Marktkenntnisse oder Zugang zu exklusiven Informationen haben,
  • Nischenmärkte oder Spezialthemen (z. B. Small Caps, ESG-Fonds) abdecken wollen,
  • oder gezielt Chancen in Krisenzeiten nutzen möchten.

Sind ETFs wirklich sicherer als aktiv gemanagte Fonds?

ETFs sind nicht per se „sicherer“, sie unterliegen denselben Marktrisiken wie Aktienmärkte insgesamt. Ihr Vorteil liegt in der breiten Diversifikation und den niedrigeren Kosten. Das reduziert das Risiko, schlechter als der Markt abzuschneiden – ein Nachteil, den viele aktive Fonds haben.

Kann man aktives und passives Investieren kombinieren?

Ja, viele Anleger setzen auf eine Mischstrategie: Der Kern des Portfolios besteht aus kostengünstigen ETFs, während ein kleiner Teil aktiv in Einzelaktien, Themenfonds oder alternative Investments fließt. So wird das Risiko gestreut und dennoch Flexibilität gewahrt.

Referenzen

  1. ETF oder Fonds: Was ist der Unterschied? | DKB AG
    https://www.dkb.de/finanzwissen/etf-oder-fonds
  2. Aktiv oder passiv investieren – was ist besser? – LGT Private Banking
    https://www.lgt.com/ch-de/markteinschaetzungen/insights/anlagestrategien/aktiv-oder-passiv-investieren-was-ist-besser–46548
  3. The Data on Active Large Cap Underperformance – The Big Picture – Barry Ritholtz https://ritholtz.com/2025/05/the-data-on-active-large-cap-underperformance/
  4. Passiv investieren: So gelingt der Einstieg | CosmosDirekt
    https://www.cosmosdirekt.de/flexinvest/passiv-investieren/
  5. SPIVA | S&P Dow Jones Indices – S&P Global
    https://www.spglobal.com/spdji/en/research-insights/spiva/
  6. Core Satellite Strategie: Vorteile, Risiken, Beispiele – Commerzbank
    https://www.commerzbank.de/privatkunden/wissen/ratgeber/geldanlage/wertpapiere/core-satellite-strategie/
  7. Core-satellite approach: A smarter way to diversify your investments – Saxo Bank https://www.home.saxo/learn/guides/diversification/core-satellite-approach-a-smarter-way-to-diversify-your-investments
  8. Active vs. Passive Investing: What’s the Difference? – Investopedia
    https://www.investopedia.com/news/active-vs-passive-investing/
  9. Aktiv vs. passiv investieren: Was passt zu Dir als Anleger? – Propvest
    https://www.propvest.de/magazin/aktiv-vs-passiv-investieren
  10. Aktiv gemanagte Fonds: 6 Tipps – CosmosDirekt
    https://www.cosmosdirekt.de/flexinvest/aktiv-gemanagte-fonds/
  11. Market-Timing kann zu Verlusten führen – VisualVest
    https://www.visualvest.de/blog/vorteile-und-nachteile-von-market-timing
  12. «Time, not Timing» – Eine alte Börsenweisheit – Weibel Hess & Partner AG
    https://whp.ch/news/2021-05-time-not-timing-eine-alte-boersenweisheit.html
  13. Passiv investieren – Definition und Überblick – Propvest
    https://www.propvest.de/magazin/passiv-investieren
  14. Fonds oder ETFs: Unterschiede und was sich mehr lohnt – Commerzbank
    https://www.commerzbank.de/privatkunden/wissen/ratgeber/geldanlage/wertpapiere/aktiv-gemanagte-fonds-oder-passive-etfs/
  15. So unterscheiden sich aktiv gemanagte Fonds und ETFs – Sparkasse
    https://www.sparkasse.de/pk/ratgeber/finanzplanung/investieren/in-wertpapiere-investieren/etf-oder-fonds.html
  16. Aktiv oder passiv investieren? Fonds oder ETF? – Smartbroker
    https://www.smartbrokerplus.de/de-de/blog/aktiv-oder-passiv-inestieren/
  17. Finanz-wiki | Markteffizienzhypothese – Ginmon
    https://www.ginmon.de/wiki/markteffizienzhypothese
  18. Zehn Gründe, warum aktives Investieren schlecht funktioniert – Gerd Kommer
    https://gerd-kommer.de/blog/warum-aktives-investieren-schlecht-funktioniert/
  19. Vanguard Asset Allocation Model*: An … – Vanguard Mexico
    https://www.vanguardmexico.com/content/dam/intl/americas/documents/mexico/en/mx-en-pf-asset-allocation-model-isgvaam-v2.pdf
  20. Passiv oder aktiv – Unterschied und Vergleich – findependent
    https://findependent.ch/passiv-vs-aktiv/
  21. SPIVA Scorecards: An Overview – S&P Global
    https://www.spglobal.com/spdji/en/documents/education/education-spiva-scorecards-an-overview.pdf
  22. SPIVA Europe Year-End 2021 Scorecard – S&P Global
    https://www.spglobal.com/spdji/en/documents/spiva/spiva-europe-year-end-2021.pdf
  23. Survivorship Bias – Definition, Risks & Example – Financial Edge
    https://www.fe.training/free-resources/asset-management/survivorship-bias/
  24. What Is Survivorship Bias? Definition and Use in Investing
    https://www.investopedia.com/terms/s/survivorshipbias.asp
  25. 2024 SPIVA Report Reveals 2 Areas Active Outperforms – ETF Trends
    https://www.etftrends.com/2024-spiva-report-reveals-2-areas-active-outperforms/
  26. Morningstar-Analyse: Aktive vs. passive Fonds im Vergleich | DAS INVESTMENT
    https://www.dasinvestment.com/morningstar-aktiv-passiv-barometer-welche-fonds-laufen-besser/
  27. Aktive Fonds liegen weiter hinten dran – Morningstar
    https://global.morningstar.com/de/fonds/aktive-fonds-liegen-weiter-hinten-dran
  28. 70/30-Portfolio – das klassische Weltportfolio – Finanzfluss
    https://www.finanzfluss.de/etf/portfolio/70-30/
  29. Warum sich passives Investieren für Sie lohnt – Commerzbank
    https://www.commerzbank.de/privatkunden/wissen/ratgeber/geldanlage/wertpapiere/was-ist-passives-investieren/
  30. Eine Analyse Aktives vs Passives Investieren – conren fonds
    https://conrenfonds.com/wp-content/uploads/2019/11/170827-CONREN-Eine-Analyse-Aktives-vs-Passives-Investieren-HR.pdf
  31. Passives Investieren mit ETFs: Besser als aktiv investieren? | Zendepot.de
    https://zendepot.de/etf/passives-investieren
  32. Die Fondssteuer überrascht viele – obwohl sie nicht neu ist | Sparkasse.de
    https://www.sparkasse.de/aktuelles/fondssteuer-vorabpauschale.html
  33. Investmentsteuerreformgesetz: So musst Du Deine Aktienfonds und ETFs versteuern – Finanztip
    https://www.finanztip.de/indexfonds-etf/investmentsteuerreformgesetz/
  34. Zeit ist Geld: die magische Investmentregel – Fonds Finanz
    https://www.fondsfinanz.de/news/newsroom/investmentregel-zeit-ist-geld
  35. The Odds of Profitable Market Timing – MDPI
    https://www.mdpi.com/1911-8074/14/6/250
  36. 70/30 World + EM IMI: historical performance from 1994 to 2025 – Curvo
    https://curvo.eu/backtest/en/portfolio/70-30-world-em-imi–NoIg7ADA9AzBAEB1A9gJwDYBN4Gp4FEBZeASUJJABphQT8IIAhAaQEYAFANQFZvWqIAOjABdaiDoNGAEQAs3ZgAkAHDAGCYIrUA
  37. ETF Portfolio Rebalancing erklärt: ETF Handbuch – Finanzfluss
    https://www.finanzfluss.de/etf-handbuch/etf-rebalancing/
  38. How to Rebalance your Investing Portfolio for MASSIVE PROFIT FOREVER – YouTube
    https://www.youtube.com/watch?v=Gwtd4uGfd8A
  39. A Guide to Core-Satellite Investing – Investopedia
    https://www.investopedia.com/articles/financial-theory/08/core-satellite-investing.asp

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