Kapitalmärkte aktuell – Juli 2019

Im vergangenen Quartal ist eine Menge passiert.
Hier die wichtigsten Geschehnisse in der Übersicht:

  • Zuspitzung Handelskonflikt USA / China
  • Iran Konflikt
  • weiter schwächere Konjunkturzahlen
  • starker Rückgang der Inflationserwartung (Euroraum)
  • Wende in der Notenbankpolitik, sowohl bei EZB als auch der amerikanische FED

damit langfristige Niedrigzinsphase in Europa eingeleitet (Japanisierung)

Handelskonflikt

Der Konflikt USA / China hat sich weiter zugespitzt.

Anfang Mai versetzte der US-Präsident mit seiner Verkündung des Scheiterns der Handelsgespräche den Aktienmärkten einen schweren Schlag.

Er verfügte eine Zollerhöhung von 10 % auf 25 % für chinesische Importe im Wert von 200 Milliarden US-Dollar.

Als Drohkulisse steht eine Ausdehnung des Zollsatzes von 25 % auf weitere 300 Milliarden US-Dollar an Importen aus der Volksrepublik im Raum.

Beim G20 Gipfel am vergangenen Wochenende gab es das Übereinkommen die Handelsgespräche mit China wieder aufzunehmen.

Donald Trump zeigte sich ausnahmsweise diplomatisch und hat seine Aussagen zu Huawai deutlich abgeschwächt. Er betonte, dass er es nicht eilig habe, ein solch wichtiges Handelsabkommen zu vereinbaren.

Es ist damit zu rechnen, dass uns der Streit der beiden großen Wirtschaftsmächte längerfristig begleiten wird. Zu vieles steht für beide Parteien auf dem Spiel.

Für Präsident Trump macht es strategisch durchaus Sinn, eine Kompromisslösung bis zum Jahresende oder länger hinauszuzögern.

So würden wirtschaftliche Erholungsbewegungen ins Wahljahr 2020 fallen.

damit langfristige Niedrigzinsphase in Europa eingeleitet (Japanisierung)

Iran Konflikt

Nach einigen Angriffen auf Öltanker bei der Straße von Hormus, hat sich die Lage zwischen den USA und dem Iran zugespitzt.

Die iranische Führung leugnet eine Beteiligung, dies erscheint jedoch relativ unrealistisch. Ansonsten äußert sich die iranische Führung provokativ und lehnt Gespräche mit Präsident Trump ab.

Die USA hat massiv militärische Kräfte am Persischen Golf zusammengezogen.

Krieg würde Trump politisch im Wahljahr 2020 wenig helfen, daher wird ein Militärschlag wohl nur als allerletzte Option von den Amerikanern gezogen.

Konjunktur

Die gestiegenen Zölle für chinesische Importe schlagen sich in den USA bereits in anziehenden Einfuhrpreisen nieder und belasten die amerikanischen Konsumenten.

Die negativen Effekte sind bereits größer als die positiven Effekte von Trumps Steuerreform 2018.

China setzt weiter auf den Ausbau des Binnenkonsums und verhält sich geostrategisch sehr klug.

Erstmals seit dem 2. Weltkrieg bewegen wir uns mit den aktuellen Entwicklungen in Richtung einer Deglobalisierung.

Der globale Konjunkturaufschwung lässt dadurch weiter nach.

Die Einkaufsmanagerindizes des verarbeitenden Gewerbes sind deutlich abwärtsgerichtet. Ein Wert über 50 bedeutet Wachstum.

Im Bereich der Industrieproduktion gibt es eine leichte Stabilisierung.

Geldpolitik

Zum Jahresbeginn ist man noch von 2 Zinsschritten nach oben ausgegangen, nun hat die US-Notenbank FED im Juni angekündigt, die Zinsen ab 2020 wieder zu senken.

Einige Experten erwarten sogar, in Abhängigkeit der Konjunktur- und Inflationsentwicklung, bereits in 2019 eine Zinssenkung.

Hier die Entwicklung des FED Leitzinses in den letzten 20 Jahren.

Zumindest etwas Spielraum nach unten hat die FED noch. Auch wenn die Wirkung weit weniger stark sein wird, wie in vorangegangenen Zinssenkungsphasen, bei denen von einem Zinsniveau von 5-6% gestartet werden konnte.

Anders sieht es bei der EZB aus.

Auch die EZB hat im Juni verkündet, dass Sie aufgrund der nicht in Schwung kommenden Inflation die Zinspolitik nochmal in Richtung Lockerung umstellen wird.

Schaut man sich die Entwicklung der Inflationserwartungen in Europa an, ist dies nicht verwunderlich.

Zinserhöhungen sind damit in Europa mittelfristig vom Tisch. Damit bewegen wir uns in ein Zeitalter mit „japanischen Verhältnissen“, also dauerhaften Nullzinsen.

Da Zinssenkungen nicht möglich sind, sind Ankurbelungen durch neue Ankaufprogramme von Anleihen und Aktien denkbar.

Wahrscheinlich werden zusätzlich auch politische Maßnahmen nötig werden, um die Wirtschaft zu stützen. In Italien sowie Frankreich wurden bereits erste Schritte unternommen.

Als wahrscheinlichster Nachfolger von EZB Präsident Draghi gilt nach wie vor der Deutsche Jens Weidmann. Gilt er eigentlich als „Hardliner“ gegen eine lockere Fiskalpolitik, waren seine Äußerungen in letzter Zeit sehr moderat diesbezüglich. Es scheint so, als würde er sich schon mal auf die Rolle im Präsidentenamt vorbereiten.

Aktien

Im April sind die Aktienkurse, wie im ersten Quartal, weiter gestiegen. Im Mai gab es eine Korrektur, die im Juni jedoch schnell wieder aufgeholt wurde.

Entwicklung von April bis Juni

S&P 500 (USA)                          ca.     2,58%

MSCI Emerging Markets           ca.    -1,50%

EuroStoxx50                             ca.     2,60%

DAX                                          ca.     6,14%

 

Anleihen / Zinsen

Durch die angekündigten Zinssenkungen und Lockerungsmaßnahmen sind die Kurse von Anleihen im vergangenen Quartal deutlich gestiegen.

Besonders Schwellenländeranleihen konnten von dem schwächer tendierenden US Dollar profitieren und sind im vergangenen Quartal im Kurs gestiegen.

Inflation

In der Eurozone sank die Inflation und lag im Juni nur noch bei 1,20%. Damit weit unter dem EZB Ziel von 2%.

In den USA sank die Inflation ebenfalls auf zuletzt (Mai) 1,80%.

Währungen

Die Ankündigung der US-Notenbank hat den USD im Wert geschwächt. Der Euro konnte etwas gewinnen.

Der Wert EUR zu US Dollar liegt zum 01.07.2019 bei ca. 1,14 USD.

Auch im Vergleich zu anderen Währungen hat der USD im Wert verloren.

Rohstoffe

Vom Hoch im April bei ca. 66 USD (Crude Oil WTI) gab es im Mai einen Kurseinbruch auf bis zu 52 USD.

Durch die Zuspitzung der Iran Konflikts konnte sich der Preis im Juni wieder auf ca. 58 USD stabilisieren.

Industriemetalle, allen voran Kupfer, hat im letzten Quartal an Wert verloren.

Gold / Silber

Gold und Silber konnten im Juni deutlich zulegen. Immer wenn der US-Dollar schwächelt sorgt dies für einen Anstieg des Goldpreises, der in USD notiert.

Auch in Euro konnten die Preise von Gold und Silber zulegen.

Gold                 ca. +9,48% in USD,      ca. +7,65% in EUR

Silber               ca. +1,39% in USD,      ca.  -0,15% in EUR

Weiteres / Ausblick

Alle Experten und Vermögensverwalter betonen, dass Prognosen über die Zukunft aktuell kaum möglich sind.

Zu groß sind die Komplexität der Zusammenhänge und die Unberechenbarkeit der geopolitischen Lage.

Die reinen Wirtschaftszahlen zeigen eine Abkühlung der Weltkonjunktur.

Hinzu kommt, dass wir im Wirtschaftszyklus sehr weit fortgeschritten sind.

Auf der anderen Seite hat sich eine expansive Geldpolitik der Notenbanken verbunden mit einem Nullzinsszenario immer positiv auf Aktienmärkte ausgewirkt.

Ein ausgewogenes Aktienportfolio mit Beimischung von anderen Anlageklassen (Rohstoffe, Gold, Anleihen, etc.) haben sich langfristig in solch einem Szenario als beste Substanzanlage dargestellt.

Die sicherste Prognose, die man aktuell wohl geben kann, ist die, dass Sie auch in Zukunft mit einer großen Schwankungsbreite an den Märkten rechnen müssen.

Es bleibt also umso wichtiger, die Ruhe zu bewahren und einer klaren Anlagestrategie zu folgen.

DANKE FÜRS TEILEN