Kapitalmärkte aktuell – April 2020

Das vergangene Quartal sucht historisch seines gleichen.

Die Märkte sind im März so schnell und so stark eingebrochen wie zuletzt zur großen Depression 1931.

Sowohl der Index der die Stärke von Marktschwankungen (VIX) misst, als auch der Fear&Greed Index, der die Angst der Anleger misst, bewegten sich im vergangenen Quartal auf Extremwerten. (Vix > 80, Fear&Greed von 1, beides steht für extreme Angst)

Dementsprechend sieht der Blick auf Ihren Depotauszug gerade leider sehr ernüchternd aus.

Dennoch möchte ich Ihnen Mut machen. Dies sind „nur“ Buchverluste und so lange Sie die Nerven behalten und nicht verkaufen, werden sich diese mit den ersten Anzeichen eines Endes der Krise wieder schnell relativieren.

Ich sehe die aktuelle Situation als sehr gute, vielleicht historische, Chance für Kapitalanlagen in den Aktienmarkt.

Wir werden vermutlich in 1-2 Jahren zurückschauen und sagen:

  • Wären wir mal im Jahre 2020 mutiger gewesen und hätte mehr in Aktien investiert bzw. unsere Aktienquote weiter erhöht.
  • Gut, dass wir nicht panikartig unsere Aktien verkauft haben.

Ich glaube wir werden sehr selten, vielleicht nie mehr in unserem Leben, solch günstige Einstiegskurse sehen.

Daher möchte ich Ihnen Mut machen, Ihrer individuellen Risikoneigung und ihr Vermögensstruktur entsprechend, die Aktienquote in Ihrem Depot zumindest zu halten, besser noch zu erhöhen oder neue Gelder in Aktienfonds zu investieren.

Da man nicht vorhersehen kann, ob der Tiefpunkt der Abwärtsbewegung bereits erreicht ist, machen Umschichtungen bzw. Neuinvestitionen in Tranchen Sinn.

Einstiegsstrategie

Ich verweise an dieser Stelle nochmal auf meinen Artikel:

Was tun in einem Bärenmarkt

 

Es gibt immer professionelle Investoren und mutige Menschen, die über den Tellerrand der Krise hinausschauen und es uns vormachen.

So hat z.B. Ende März ein Unternehmer massiv Lufthansa Aktien aufgestockt und hält nun knapp 10% an der Airline.

Aktien

Entwicklung seit Jahresbeginn

S&P 500 (USA)             ca.      -18,45%

MSCI Emerging Markets           ca.      -25,60%

EuroStoxx50                             ca.      -25,58%

DAX                                          ca.      -25,00%

Konjunktur

Wir befinden uns weltweit in einer Rezession. Die Corona Krise hat die Wirtschaftsabläufe vorübergehend gelähmt.

Dies hat aktuell negative Auswirkungen sowohl auf Konjunkturindikatoren als auch Unternehmensergebnisse.

Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich außerordentlich verschlechtert. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im März auf 86,1 Punkte eingebrochen.

Auch die internationalen Stimmungsindikatoren sind auf Talfahrt.

Während in China das Schlimmste überstanden zu sein scheint, befinden wir uns in Europa gerade mitten in der Krise.

In den USA steht der Hochpunkt der Krise, definiert durch die Anzahl infizierter Personen und Todesfälle, noch bevor. Es macht den Anschein, dass die Funktionäre und Entscheidungsträger dort am schlechtesten auf die Krise vorbereitet sind.

Aktuell werden für die USA ca. 100.000 Todesfälle angenommen, es könnte real sogar ein Vielfaches davon werden.

V, ausgeprägtes V oder langes U?

Der deutsche Wirtschafts-Sachverständigenrat geht in seinem aktuellen Sondergutachten von einem Basisszenario für Deutschland davon aus, das mit einer V-förmigen Entwicklung zu rechnen ist. Das bedeutet, dass bis zum Sommer eine Normalisierung der Situation stattfindet und im Anschluss eine wirtschaftliche Erholung möglich ist.

Dies wird unter anderem von der Entwicklung in China abgeleitet.

Ein Risikoszenario geht von einer ausgeprägteren V-förmigen Entwicklung aus. In dieser würde die Stagnation der Wirtschaft länger andauern als aktuell geplant und eine Erholung würde sich weiter verzögern.

Das pessimistischste Szenario wäre eine langgezogene U-förmige Entwicklung.

Dieses Szenario geht davon aus, dass tiefgreifende negative Wirtschaftliche Folgen durch die Krise entstehen und dass die staatlichen Hilfsmaßnahmen nicht ausreichen, um Unternehmenspleiten und Bankenkrisen zu verhindern. Darin würde sich die wirtschaftliche Erholung in das Jahr 2021 verzögern und dann auch nur langsam erfolgen.

Das ausführliche Gutachten finden Sie hier:

https://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/sondergutachten-2020.html

Geldpolitik – Nie dagewesene Hilfsmaßnahmen

In Deutschland werden in unbegrenzter Höhe Mittel für Unternehmen zur Verfügung gestellt.

Die Europäische Zentralbank hat ein Hilfspaket von 750 Milliarden Euro geschnürt, um Wirtschaft und Unternehmen zu stützen sowie Staats- und Unternehmensanleihen anzukaufen.

Zusammen mit bereits laufenden und schon geplanten Käufen von Staatsanleihen, Firmenanleihen und anderen Titeln steigt das Volumen aller Anleihenkäufe der Währungshüter damit in diesem Jahr auf 1,1 Billionen Euro.

Das verschafft den Staaten Spielraum weitere Maßnahmen zur Unterstützung von Wirtschaft und Privatpersonen auf den Weg zu bringen.

Die amerikanische FED hat ihren Leitzins wegen der wirtschaftlichen Verwerfungen bereits in zwei Schritten von 1,75 bis 1,5 Prozent auf inzwischen fast null Prozent gesenkt.

Zudem wird die Wirtschaft mit einem 700 Milliarden Dollar schweren Anleihekaufprogramm angekurbelt und Banken vorübergehend Notfallkredite gewährt.

Zusätzlich hat die Trump Regierung ein 2 Billionen Dollar Hilfspaket auf den Weg gebracht.

Die Hilfen sollen wir folgt verteilt werden:

Aktuell ist die pure Panik an den Märkten zunächst gestoppt. Bleibt abzuwarten ob die Maßnahmen ausreichen, um eine nachhaltige Stabilisierung zu erreichen.

Grundsätzlich ist das entschlossene Handeln und die massive zur Verfügung Stellung von Geldern und Stützung der Wirtschaft zu begrüßen.

Es scheint als hätten Notenbanken und Politik aus der Finanzkrise 2009 gelernt.

Allen Beteiligten ist klar wie ernst die Situation ist und aktuell scheint es so, als würden Politiker und Notenbanken alles dafür tun die Wirtschaft zu unterstützen.

In vergangenen Krisen war dies meist nicht der Fall, was dieses Mal eine schnellere Erholung wahrscheinlicher macht.

Die amerikanische FED sowie Notenbankchef Jerome Powell haben eingestanden, dass sie sich in ihrem positiven, kurzfristigen Konjunkturausblick zu Beginn des Jahres 2019 geirrt haben.

Dies hat zu einer 180 Grad Kehrtwende und 3 Zinssenkungen im Jahresverlauf 2019 geführt.

Die damit einhergehende Liquiditätsschwemme war sicher der Hauptgrund für die so stark gestiegenen Aktienmärkte in 2019.

Für 2020 gehen die meisten Marktteilnehmer davon aus, dass die Notenbank die Zinsen auf dem jetzigen Niveau belässt und keine Zinsschritte unternimmt.

Einige gehen, aufgrund des politischen Drucks, den Herr Trump auf die Notenbank ausübt, von einem weiteren Zinssenkungsschritt zur Ankurbelung der Wirtschaft aus.

Auch die neue Chefin der europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, wird am expansiven Kurs Ihres Vorgängers Draghi für 2020 festhalten, um die europäische Wirtschaft zu unterstützen.

Dieser monetäre Rückenwind wird die Aktienmärkte auch im Jahr 2020 stützen.

Anleihen / Zinsen

Besonders Staatsanleihen haben von der Panik an den Börsen partizipiert und konnte im Kurs weiter steigen. Investoren waren einmal mehr bereit in Papiere mit negativen Zinsen zu investieren nur um Kursverluste zu vermeiden.

Risikobehafte Unternehmensanleihen sowie Schwellenländerstaatsanleihen wurden in der Panik ebenfalls verkauft und mussten Kursverluste von ca. 15 % hinnehmen.

Inflation

Noch ist keine erhöhte Inflation sichtbar.

In den aktuell veröffentlichten Zahlen ist der Monat März jedoch noch nicht eingepreist.

In der Eurozone liegt die Inflation zuletzt (Februar) bei 1,2%, in den USA bei 2,30%.

Währungen

Die Krise und der Wettlauf um Hilfsmaßnahmen haben Währungen ebenfalls kräftig schwanken lassen im letzten Quartal.

Unterm Strich gab es nach den heftigen Bewegungen zum Ende des Quartals keine große Veränderung zum Jahresbeginn.

Rohstoffe

Die Krise hat den Ölpreis auf ein neues Tief befördert. Der Preis von US Crude Oil notiert bei 26,16 USD.

Auch Industriemetalle haben extrem im Preis nachgegeben.

Gold / Silber

Gold konnte sich unter starken Schwankungen relativ positiv entwickeln.
Silber hat dagegen seit Jahresbeginn an Wert verloren.

Gold                 ca. +4,13% in USD,      ca. +5,76% in EUR

Silber               ca. -21,99% in USD,     ca. -20,80% in EUR

Ausblick

Alle Schätzungen sind aktuell noch unzuverlässig. Wie immer gibt es unterschiedliche Perspektiven.

Tendenzielle wird davon ausgegangen, dass das Wirtschaftswachstum im Jahr 2021 wieder zunehmen wird.

Sollte es nicht schlimmer kommen und der Shutdown nicht viel länger dauen, könnte auch der Tiefpunkt an den Börsen erreicht sein.

Es könnte auch sein, dass ein Teil der Überschussliquidität, die gerade so großzügig bereitgestellt wird, sich dann an den Börsen wiederfindet.

Der Aktienmarkt hat die Rezession mit den Kurseinbrüchen antizipiert. Viel früher als die Wirtschaftsweisen eine Rezession gesehen haben. Auch mit einer möglichen Übertreibung. Jetzt wird der Aktienmarkt die aktuelle Situation bewerten und schon die Maßnahmen antizipieren.

Das kann zu steigenden Kursen führen, bevor reales Wirtschaftswachstum zu sehen ist.

Die Tatsache, dass in den USA das Schlimmste noch bevorsteht und das Gesundheitssystem dort wohl über seine Grenzen hinaus belastet werden wird, könnte für eine weitere Abwärtsbewegung an den Börsen sprechen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und vor allen Dingen bleiben Sie gesund!

Ihr Bijan Kholghi

DANKE FÜRS TEILEN