Kapitalmarkt Aktuell Juli 2026

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Aktien

Charts der letzten 12 Monate:

Wertentwicklung 2026:

S&P 500 (USA) +9,09% (in USD)
Nasdaq (Technologie) +18,62% (in USD)
DAX   +2,08%
MSCI Emerging Markets +15,09% (in USD)

Aktienentwicklungen

  • Die globalen Aktienmärkte erlebten im zweiten Quartal eine geopolitische Achterbahnfahrt, die maßgeblich vom Iran-Krieg und Hoffnungen auf ein Friedensabkommen geprägt war.
  • Ungeachtet dessen konnten sich die Märkte von den Tiefs im April mit einer starken Rallye erholen. Befeuert wurde die Aufwärtsbewegung durch starke US-Unternehmensgewinne und Deeskalationsoptimismus.
  • Am 5. Juni folgte der „schlechteste Tag des Jahres“, an dem Anleger aufgrund starker US-Arbeitsmarktdaten gleichzeitig Aktien, Anleihen, Gold und Bitcoin verkauften. Die Märkte verliefen seitdem sehr volatil.
  • Es zeigt sich ein gespaltenes Umfeld im Tech-Sektor: Während die sieben großen Hyperscaler (Magnificent Seven) im Juni rund 16 % an Wert verloren, legten KI-Infrastrukturwerte im gleichen Zeitraum um etwa 16 % zu.
  • Ende Juni setzte eine deutliche Sektor-Rotation ein, weg von Halbleitern hin zu defensiven und zyklischen Bereichen wie Gesundheitswesen (Allzeithochs), Biotech (+100 % in Q2) und Transport.
  • Europäische Aktien hinkten der Wall Street im ersten Halbjahr deutlich hinterher, da die Region stärker unter der Energiekrise litt.

Ausblick

  • Trotz des komplexen geopolitischen Umfelds bleibt der Grundton für das zweite Halbjahr 2026 konstruktiv.
  • In Zwischenwahljahren gilt der Zeitraum von August bis November häufig als Schwächephase, die mit erhöhter Volatilität einhergeht, gefolgt von einer Erholung zum Jahresende.
  • Das Hauptszenario geht davon aus, dass nach der vollständigen Wiedereröffnung der Straße von Hormus die globalen Wachstumstreiber bis 2027 wieder voll greifen.
  • Ein „Goldlöckchen“-Szenario ist möglich, falls sinkende Energiepreise und Produktivitätsgewinne durch KI zu einem weiteren Anstieg der Unternehmensgewinne führen.
  • Es bestehen jedoch Abwärtsrisiken durch:
    • Angebotsüberhang von Aktien durch Börsengänge und Kapitalerhöhungen
    • Überinvestition in KI und zu optimistische Gewinnprognosen
    • Aufflammen geopolitischer Spannungen USA / Iran / China

Geldpolitik

  • Kevin Warsh wurde im Mai als neuer Fed-Vorsitzender bestätigt.
  • Es wird erwartet, dass die US-Notenbank unter Warsh weniger transparent kommunizieren und den sogenannte „Zukunftsausblick“ stärker zurückhalten wird.
  • Die Märkte haben Zinssenkungen der Notenbank für 2026 weitgehend ausgepreist und preisen für 2027 sogar Zinsanhebungen ein.
  • Die EZB hob am 11. Juni die Zinsen um 25 Basispunkte auf 2,25 % an, um auf den kriegsbedingten Inflationsdruck zu reagieren.
  • Zentralbanken in Asien (z. B. Philippinen, Indonesien) sahen sich ebenfalls gezwungen, die Zinsen anzuheben, um ihre Währungen gegen Abwertungsdruck zu schützen.
  • Die Bank of Japan hielt den Leitzins zunächst bei 0,75 %, während am Markt über eine Anhebung auf 1 % spekuliert wird.

Liquidität

  • Der Börsengang von SpaceX im Juni war der größte der Geschichte; er entzog dem Markt zunächst Liquidität. Bisher sind nur ca. 5% aller Aktien im Umlauf. Die restlichen 95% werden gestaffelt in den nächsten 6-12 Monaten (siehe Tabelle unten) zum Verkauf freigegeben, was zu weiterem Verkaufsdruck in der zweiten Jahreshälfte führen kann.

SpaceX Zeitplan für die Freigabe von Aktien

  • Eine rekordverdächtige Welle von Neuemissionen und Kapitalerhöhungen (z. B. 85 Mrd. USD bei Google, Börsengänge von Anthropic und ggf. OpenAI) erhöht derzeit das Aktienangebot massiv.

Anleihen / Zinsen

  • Die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen erreichten im Mai fast ein Hoch von 4,70% und sind nach der Deeskalation im USA-Iran-Konflikt etwas gefallen auf aktuell 4,40%.
  • 2-jährige US-Staatsanleihen notieren bei hohen 4,13%.
  • In Japan erreichten die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen im April den höchsten Stand seit 1997.

Die Renditen deutscher Staatsanleihen verharren auf hohem Niveau mit leichter Abwärtstendenz.

2-jährige notieren bei 2,53%

10-jährige notieren bei 2,91%.

Inflation und Zölle

US-Inflation:

  • Der Energieschock durch den Nahost-Konflikt führte zu einer Beschleunigung der weltweiten Inflation.
  • Die US-Inflation stieg im Mai auf 4,2 % (höchster Wert seit April 2023), wobei die Energiekosten um 23,5 % gegenüber dem Vorjahr zunahmen.
  • Es gibt Warnungen, dass der KI-Boom kurzfristig eher inflationstreibend wirkt, da er auf massiven Angebotsengpässen und hohen Margen basiert.
  • Zuletzt haben Apple und Microsoft ihre Preise erhöht (Preisdruck wegen Speicherchip-Preisen)

Zukünftige Inflationserwartung in den USA (Michigan 5-Year Inflation Expectations) bezogen auf die nächsten 5 Jahre hat sich nach einem Höchstwert von 3,90% im Mai reduziert auf 3,30% im Juni.

Die Inflation in Europa steigt im Mai auf 3,20%.

Die US-Arbeitslosenzahlen haben sich entspannt und verlaufen stabil bei 4,30%. Die Sorge um eine steigende Arbeitslosenquote in den USA hat sich zunächst zerstreut.

Konjunktur

Das Bruttoinlandsprodukt in den USA ist im ersten Quartal 2026 stärker ausgefallen als erwartet.

Vor allem Unternehmen haben mehr investiert und der Außenhandel hat die Wirtschaft weniger belastet als erwartet.

  • Prognoseplattform Kalshi zeigt eine auf 10% gesunkene Rezessionswahrscheinlichkeit für 2026 (für 2027 liegt der Wert bei ca. 45%).

Der ISM Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe in den USA ist im Mai auf 54 gestiegen. (über 50=Expansion). Die Stimmung in der US-Industrie ist so gut wie seit vier Jahren nicht mehr. Vor allem die Zahl der neuen Aufträge und die Produktion sind gestiegen, was auf eine anhaltend robuste Nachfrage hindeutet. Gleichzeitig bleiben die Preise für Unternehmen hoch, auch wenn der Kostendruck etwas nachgelassen hat.

Das US-Verbrauchervertrauen hält sich stabil bei 49,5 im Juni, bleibt aber weiterhin auf einem historisch niedrigen Niveau. Die Verbraucher waren vorsichtiger und haben deutlich weniger Geld ausgegeben, während die staatlichen Ausgaben nach dem Ende des Regierungsstillstands wieder zugenommen haben.

Deutscher Industrie Einkaufsmanagerindex fällt von einem Zwischenhoch im März auf zuletzt 50 Punkte (=Stagnation) im Juni. (über 50 = Wachstum).

„Die Stimmung unter den Unternehmen in Deutschland hat sich verbessert. Der IFO-Geschäftsklimaindex ifo Geschäftsklimaindex stieg im Juni auf 85,6 Punkte, nach 85,0 im Mai. Die Firmen bewerteten ihre aktuelle Lage besser. Auch die Erwartungen fielen etwas weniger skeptisch aus. Die Unternehmen schätzen das Umfeld als weniger unsicher ein. Die deutsche Wirtschaft hofft auf eine Entspannung der weltpolitischen Situation.“ Quelle: IFO-Institut

Gleichzeitig nimmt die Sorge vor einer Deindustrialisierung in Deutschland zu; Volkswagen plant bis 2030 einen Stellenabbau von bis zu 100.000 Stellen. Insbesondere die Automobilindustrie hat durch die billigere Konkurrenz aus China mit BYD zu kämpfen.

Der China Industrie Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe ist im Mai 2026 leicht von 52,2 auf 51,8 Punkte gesunken. Damit blieb er jedoch über den Erwartungen und signalisiert weiterhin ein Wachstum der Industrie, auch wenn sich das Tempo bei neuen Aufträgen und der Produktion zuletzt etwas verlangsamt hat. Gleichzeitig hat der Preisdruck leicht nachgelassen, während Unternehmen trotz anhaltend hoher Kosten weiterhin optimistisch auf die kommenden Monate blicken.

 

US-Unternehmensergebnisse

Folgende Grafik zeigt das Gewinnwachstum im S&P 500 in den letzten 5 Jahren (+ Prognose), jeweils im Vergleich zum Vorjahr. (Quelle: gurufocus.com / S&P Dow Jones Indices)

  • Für 2026 wird mit einem starken Gewinnwachstum von ca. 17,70% im Vergleich zum Vorjahr gerechnet.

Entwicklungen im KI-Sektor

  • Der Fokus verschiebt sich von den Hyperscalern (Microsoft, Google, Amazon, Meta, SpaceX, etc.) hin zu den Infrastrukturproduzenten (Chip & Speicherproduzenten), die direkt von den massiven Investitionen profitieren.
  • Fünf US-Hyperscaler planen für 2026 Investitionen (Capex) von insgesamt 697 Mrd. USD. In 2027 sollen diese noch weiter steigen.
  • Es gibt erste Zweifel an der Monetarisierung: Unternehmen beginnen ihre Mitarbeiter im KI-Nutzungsumfang zu begrenzen. (Microsoft und Uber).
  • OpenAI erwägt Aufschub des Börsengangs in 2027, nachdem der SpaceX-Börsengang nur mäßig erfolgreich war.
  • Die US-Regierung kontrolliert den Zugang zu neuen KI-Modellen wie GPT 5.6 oder Claude Mythos/Fable 5 strenger. Es ist in Überlegung, die Modelle nur noch in den USA zuzulassen. Weckruf für Europa: Investitionen in eigene Modelle sind essenziell, um Abhängigkeit zu vermeiden.
  • Physiche KI (Roboter) wird geostrategisch brisant. Die US-Regierung erwägt ein Importverbot von chinesischen Robotern.
  • China gewinnt Marktanteile durch kostengünstigere KI-Modelle und schnellere Fortschritte in der Robotik.
  • Samsung und SK-Hynix planen über eine Dekade Investitionen von 600 Mrd. USD in die Speicher-Chip-Produktion.

 

Gold / Silber

  • Die Preise von Gold und Silber korrigieren im zweiten Quartal weiter nach unten. Steigende Renditen von US-Staatsanleihen und ein festerer US-Dollar wirkten belastend.

Entwicklung seit Jahresbeginn:

                                    Gold:   aktuell 4.045 USD              -6,80% (in USD) seit Jahresbeginn

                                    Silber:   aktuell 60 USD                   -15,70% (in USD) seit Jahresbeginn

Rohstoffe / Öl

WTI Crude Oil:   69,82 USD (ca. +21,88% in 2026)

  • Nach der Bekanntgabe des Friedensabkommens Mitte Juni fielen die Ölpreise unmittelbar um ca. 4–5 %.
  • Die Vereinigten Arabischen Emirate traten zum 1. Mai aus der OPEC aus; Berichten zufolge erwägt auch der Irak diesen Schritt, was den Ölpreis durch mehr Angebot belasten könnte.
  • Die Preisentwicklung dürfte vom weiteren Verlauf der Verhandlungen abhängen.

Währungen

US-Dollar

  • Der US-Dollar entwickelt sich in 2026 fest. (+3,00% seit Jahresbeginn)

Der US-Dollar-Index (Korb aus: 57,6% EUR, 13,6% JPY, 11,9% GBP, 9,1% CAD, 4,2% SEK, 3,6% CHF) konnte im 2. Quartal weiter zulegen.

EURO / USD

1,14 USD (ca. -2,69% seit Jahresbeginn)

Invers zur US-Dollar Stärke, notiert der Euro seit Jahresbeginn weiter schwächer.

Kryptowährungen / Blockchain Technologie

Bitcoin (BTC):                58.555,- USD (-33% seit Jahresbeginn)

Ethereum (ETH):              1.577,- USD (-47% seit Jahresbeginn)

  • Bitcoin notiert unter 60.000 USD (tiefster Stand seit Oktober 2024).
  • Krypto-Bärenmarkt könnte sich noch bis Oktober/November 2026 fortsetzen.
  • Langfristig betrachtet dürfte die zweite Jahreshälfte eine gute Chance sein, sukzessive Positionen einzukaufen.

Stimmung / Sentiment

Hier der zeitliche Verlauf über die letzten 12 Monate. Nach einer positiven Phase im April ist der Indikator wieder Richtung Angst abgerutscht.

Fazit

Es dürfte eine volatile zweite Jahreshälfte vor uns liegen.

Solange der Investitionsboom und die Monetarisierung im KI-Bereich weiter intakt bleiben, könnte trotz eines anspruchsvollen geopolitischen Umfelds auch das zweite Halbjahr 2026 konstruktiv verlaufen.

Zwar dürfte der historisch häufig volatilere Zeitraum zwischen August und November – insbesondere im US-Zwischenwahljahr – für zwischenzeitliche Rückschläge sorgen, das Basisszenario spricht jedoch für eine Fortsetzung der globalen Konjunkturerholung bis 2027.

Sinkende Energiepreise und Produktivitätsgewinne durch künstliche Intelligenz könnten die Unternehmensgewinne zusätzlich stützen. Eine Verbreiterung der Ralley auf andere Aktiensektoren könnte sich weiter fortsetzen.

Gleichzeitig sollten Anleger die bestehenden Risiken – von geopolitischen Spannungen über ambitionierte KI-Erwartungen bis hin zu einem steigenden Aktienangebot (Entzug von Anlagekapital) – nicht unterschätzen.

Jegliche Schwächezeichen bei KI-Investitionen und Monetarisierung könnten einige hochgeflogene KI-Titel wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen.

Vor diesem Hintergrund bleiben eine breite Diversifikation sowie ein disziplinierter, langfristiger Anlageansatz die entscheidenden Erfolgsfaktoren.

Euphoriephasen wie die aktuelle sind immer gute Zeitpunkte für ein Portfoliorebalancing und je nach Anlagehorizont eine Risikoreduktion. (US-Technologieanteil im Depot kritisch prüfen, stärkere internationale Streuung über Asien und Europa)

Es grüßt Sie herzlich

Ihr Bijan Kholghi

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Bijan Kholghi ist Certified Financial Planner (CFP©) & Honorar-Finanzanlagenberater.
Er betreut und berät vermögende Privatkund*innen, Unternehmer*innen und Stiftungen in allen Vermögensfragen – von der strategischen Vermögensstrukturierung über Kapitalmarktanlagen bis zur Einbindung steuerlicher, rechtlicher und nachfolgebezogener Aspekte.
Seit über 24 Jahren steht er für unabhängige, transparente Beratung mit klarem Fokus auf die Interessen seiner Mandant*innen.
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