Risikoklassen Geldanlage & Anlageprodukte – vollständiger Leitfaden

Risikoklassen Geldanlage: Jede Geldanlage und jedes Anlageprodukt sind mit einem gewissen Risiko verbunden – doch wie lässt sich dieses Risiko einschätzen und vergleichen?

Risikoklassen bieten Anlegern eine systematische Orientierungshilfe, um Finanzprodukte nach ihrem Risikopotenzial zu bewerten. Sie ermöglichen einen schnellen Vergleich verschiedener Anlageformen und helfen dabei, die passende Investmentstrategie zu entwickeln.

In diesem umfassenden Leitfaden erfahren Sie alles Wichtige über die verschiedenen Risikoklassen, ihre Bedeutung für Ihre Anlagestrategie und wie Sie das passende Risikoprofil für sich finden.

Wir erklären das gängige 7-Stufen-Modell, den SRRI für Investmentfonds, und zeigen, wie Sie Risikoklassen praktisch für Ihren Vermögensaufbau nutzen können.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Risikoklassen ordnen Finanzprodukte nach ihrem Verlustpotenzial ein – je höher die Klasse, desto größer das Risiko, aber auch die mögliche Rendite.
  • Das gängigste Modell unterscheidet 7 Risikoklassen – von Risikoklasse 1 (Tagesgeld, Festgeld) bis Risikoklasse 7 (Hedgefonds, spekulative Derivate).
  • Der SRRI bewertet Investmentfonds anhand historischer Kursschwankungen – er findet sich in den Anlegerinformationen jedes Fonds und ermöglicht einen schnellen Risikovergleich.
  • Eine risikofreie Geldanlage (Risikoklasse 0) existiert nicht – selbst bei sicheren Produkten besteht zumindest das Inflationsrisiko.
  • Durch Diversifikation über mehrere Risikoklassen lässt sich das Gesamtrisiko eines Portfolios reduzieren, ohne auf Renditechancen verzichten zu müssen.

Was sind Risikoklassen?

Definition und Bedeutung für Privatanleger

Risikoklassen sind ein Klassifizierungssystem, das Finanzprodukte nach ihrem jeweiligen Anlagerisiko einordnet.

Je höher die Risikoklasse, desto größer ist das potenzielle Verlustrisiko – aber auch die mögliche Rendite.

Risikoklassen Geldanlage

Dieses System ermöglicht es Anlegern, verschiedene Anlageprodukte miteinander zu vergleichen und einzuschätzen, ob ein bestimmtes Investment zu ihrer persönlichen Risikobereitschaft passt.

Für Privatanleger bieten Risikoklassen mehrere entscheidende Vorteile:

  • Sie schaffen Transparenz bei der Produktauswahl,
  • erleichtern die Kommunikation mit Finanzberatern und
  • helfen dabei, eine ausgewogene Anlagestrategie zu entwickeln.

Wer seine eigene Risikotoleranz kennt, kann gezielt nach Produkten der passenden Risikoklasse suchen und vermeidet so böse Überraschungen.

Wichtig zu wissen: Es existiert bislang kein einheitlicher Standard für die Einteilung in Risikoklassen.

Verschiedene Banken und Finanzdienstleister nutzen unterschiedliche Modelle mit fünf oder sieben Stufen. Das am weitesten verbreitete ist das 7-Klassen-Modell, das wir in diesem Artikel ausführlich vorstellen.

Rechtliche Grundlagen nach WpHG

Die Einteilung in Risikoklassen hat auch eine rechtliche Dimension. Nach dem Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) sind Finanzdienstleister verpflichtet, die Angemessenheit und Eignung ihrer Anlageempfehlungen zu prüfen.

Die Beratung muss laut Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs anlegergerecht und objektgerecht erfolgen.

Das bedeutet konkret:

  • Banken und Finanzberater müssen den Wissensstand und die Risikobereitschaft ihrer Kunden erfragen.
  • Das empfohlene Anlageprodukt muss diesen Kriterien entsprechen.
  • Seit Januar 2018 müssen Privatanleger vor Abschluss einer Wertpapierorder eine Geeignetheitserklärung erhalten, die diese Aspekte dokumentiert und berücksichtigt.

Diese gesetzlichen Vorgaben schützen Anleger vor ungeeigneten Empfehlungen.

Gleichzeitig verdeutlichen sie, wie wichtig es ist, die eigene Risikobereitschaft ehrlich einzuschätzen und dem Berater mitzuteilen. Nur so kann eine wirklich passende Anlageempfehlung erfolgen.

Die 7 Risikoklassen im Überblick

Risikoklassen Geldanlage: Das gängigste Modell unterteilt Geldanlagen in sieben Risikoklassen.

Diese reichen von sehr sicheren Anlagen mit geringer Renditeerwartung bis hin zu hochspekulativen Investments mit entsprechend hohem Verlustpotenzial.

Die Einstufung orientiert sich am sogenannten magischen Dreieck der Geldanlage, das die drei Dimensionen Sicherheit, Rendite und Liquidität abbildet.

Risikoklasse 1 – Sicherheitsorientierte Anlagen

Risikoklasse 1

Die erste Risikoklasse umfasst die sichersten Anlageformen am Markt. Hierzu zählen

  • Sparbriefe,
  • Tagesgeldkonten,
  • Festgeldanlagen und
  • Bausparverträge.

Das Kapital ist bei diesen Produkten weitgehend geschützt, oft durch die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Bank und Kunde.

Schwankung / Volatilität: keine

Die Renditeerwartung fällt bei Risikoklasse 1 entsprechend gering aus. In Zeiten niedriger Zinsen kann die Rendite sogar unterhalb der Inflationsrate liegen, sodass real ein Kaufkraftverlust entsteht.

Diese Produkte eignen sich daher primär als Notgroschen oder für kurzfristige Sparziele, nicht jedoch für den langfristigen Vermögensaufbau.

Risikoklasse 2 – Konservativ mit leichtem Ertragsfokus

Risikoklasse 2

Anlageprodukte der Risikoklasse 2 bieten etwas höhere Renditeaussichten bei weiterhin überschaubarem Risiko. Typische Vertreter sind:

  • Kapitallebensversicherungen,
  • offene Immobilienfonds und
  • Rentenfonds mit ausgezeichneter Bonität, die beispielsweise in deutsche oder europäische Staatsanleihen investieren.

Diese Klasse eignet sich für Anleger, die etwas mehr Ertrag wünschen, aber dennoch großen Wert auf Sicherheit legen. Das Verlustrisiko ist überschaubar, kann aber in Ausnahmefällen – etwa bei einer schweren Wirtschaftskrise – durchaus eintreten.

Schwankung / Volatilität: ca. 5-10% (kann zukünftig auch höher ausfallen!)

Risikoklasse 3 – Ausgewogen sicherheitsorientiert

Risikoklasse 3

In der dritten Risikoklasse finden sich

  • Mischfonds,
  • Anleihen mit guter Bonität und festverzinsliche Wertpapiere,
  • Anleihen mit Fremdwährungsrisiko
  • etc.

Der Sicherheitsaspekt steht noch im Vordergrund, jedoch rückt das Anlagerisiko stärker in den Fokus.

Hier spielt insbesondere das Emittentenrisiko eine Rolle: Kann der Produktanbieter oder Anleiheschuldner seine Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen, droht ein teilweiser oder vollständiger Kapitalverlust. Bei Anleihen mit guter Bonität ist dieses Risiko jedoch als gering einzustufen.

Schwankung / Volatilität: ca. 5-15% (kann zukünftig auch höher ausfallen!)

Risikoklasse 4 – Ertragsorientiert mit mittlerem Risiko

Risikoklasse 4

Ab Risikoklasse 4 verschiebt sich der Fokus deutlich in Richtung Rendite.

Hierzu gehören:

  • ETFs auf breite Indizes wie den MSCI World,
  • Aktienfonds und
  • Einzelaktien etablierter Unternehmen.

Anleger gehen für höhere Ertragschancen ein mittleres Risiko ein.

Neben dem Emittentenrisiko bestehen bei diesen Anlagen häufig Kurs- und Währungsrisiken.

Ein ETF auf den amerikanischen S&P-500-Index unterliegt beispielsweise auch Schwankungen des Euro-Dollar-Wechselkurses. Diese Klasse bietet insgesamt eine ausgewogene Mischung aus Chancen und Risiken und ist für den langfristigen Vermögensaufbau besonders beliebt.

Schwankung / Volatilität: ca. 15-40% (kann zukünftig auch höher ausfallen!)

Risikoklasse 5 – Wachstumsorientiert mit erhöhtem Risiko

Risikoklasse 5

Die fünfte Risikoklasse zielt primär auf hohe Renditen ab. Anleger müssen bereit sein, für dieses Ziel auch größere Verluste hinzunehmen.

Zu den typischen Produkten zählen:

  • Aktien aus Schwellenländern,
  • Gold,
  • Währungsanleihen mittlerer Bonität und
  • OTC-Aktien (Over the Counter), die ausserordentlich gehandelt werden.

Diese Investments erfordern eine erhöhte Risikobereitschaft und idealerweise Markterfahrung. Die Kursschwankungen können erheblich sein, und auch längere Verlustphasen sind möglich. Dafür winken bei positiver Entwicklung überdurchschnittliche Renditen.

Schwankung / Volatilität: ca. 20-50% (kann zukünftig auch höher ausfallen!)

Risikoklasse 6 – Spekulativ mit hohen Chancen

Risikoklasse 6

Geldanlagen der Risikoklasse 6 bieten hohe Ertragschancen, gehen aber mit erheblichen Wertschwankungen einher.

Hierzu zählen:

  • Themen ETFs (z.B. Blockchaintechnologie)
  • ertragsorientierte Aktienfonds
  • Optionsscheine und Dividendenfonds mit aggressiver Strategie

Anleger müssen mit hohen Verlusten bis hin zum Totalverlust rechnen.

Diese Produkte richten sich an spekulative Anleger mit entsprechender Erfahrung und der Fähigkeit, auch größere Verluste finanziell und emotional zu verkraften. Für den Grossteil des Vermögens sind sie nicht geeignet.

Schwankung / Volatilität: ca. 25-70% (kann zukünftig auch höher ausfallen!)

Risikoklasse 7 – Hochspekulativ für erfahrene Anleger

Risikoklasse 7

Die höchste Risikoklasse ist ausschließlich für sehr erfahrene Anleger mit umfangreichem Fachwissen geeignet.

  • Hedgefonds,
  • gehebelte Fonds,
  • Drittländerfonds und
  • Branchenfonds mit spekulativer Ausrichtung fallen in diese Kategorie.

Das Risiko übersteigt hier oft die Ertragschancen; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist jederzeit möglich.

Nur wer Verluste vollständig verkraften kann und die komplexen Mechanismen dieser Produkte versteht, sollte hier investieren. Für die allermeisten Privatanleger sind Produkte der Risikoklasse 7 nicht empfehlenswert.

Schwankung / Volatilität: ca. 50-100%

Gibt es eine Risikoklasse 0?

Manche Anbieter werben mit dem Begriff Risikoklasse 0 und suggerieren damit ein Investment ohne jedes Risiko. Dies ist jedoch irreführend: Eine völlig risikofreie Geldanlage existiert nicht.

Selbst bei vermeintlich sicheren Produkten wie Tagesgeld besteht zumindest das Inflationsrisiko – das Geld verliert an Kaufkraft. Im extremen Fall kann auch das Risiko einer Bankeninsolvenz eintreten, wobei hier die Einlagensicherung bis 100.000 Euro schützt.

Anleger sollten sich von Marketingbegriffen wie Risikoklasse 0 nicht täuschen lassen.

Der SRRI: Risikoklassifizierung bei Investmentfonds

Funktionsweise und die 7 SRRI-Kategorien

Für Investmentfonds und ETFs existiert mit dem SRRI (Synthetic Risk Reward Indicator) ein spezielles Bewertungssystem. Dieser synthetische Risiko- und Ertragsindikator berechnet die historischen Kursschwankungen eines Fonds über die letzten fünf Jahre und ordnet ihn einer von sieben Kategorien zu.

Die Berechnung basiert auf der Volatilität – also der Schwankungsbreite der Renditeentwicklung. Ein Volatilitätsintervall von 0 bis 0,5 Prozent entspricht SRRI-Kategorie 1 (sehr niedriges Risiko), während Schwankungen über 25 Prozent zur Kategorie 7 (sehr hohes Risiko) führen. Fonds mit geringen Kursschwankungen erhalten einen niedrigen SRRI, was auf eine geringere Wahrscheinlichkeit von Kapitalverlusten hindeutet.

Den SRRI finden Sie in den wesentlichen Anlegerinformationen (Key Investor Information Document, KIID) jedes Investmentfonds. Er ermöglicht einen schnellen Vergleich verschiedener Fonds hinsichtlich ihres Risikoprofils.

SRRI-Kategorien im Ueberblick:

SRRI-KategorieVolatilitätRisikoeinstufung
10,0 – 0,5 %Sehr niedriges Risiko
20,5 – 2,0 %Niedriges Risiko
32,0 – 5,0 %Mittleres Risiko
45,0 – 10,0 %Mittleres Risiko
510,0 – 15,0 %Hohes Risiko
615,0 – 25,0 %Hohes Risiko
7> 25,0 %Sehr hohes Risiko

Grenzen der SRRI-Methodik

Der SRRI hat jedoch Einschränkungen: Da er ausschließlich auf historischen Daten der letzten 5 Jahre basiert, lassen sich daraus keine zuverlässigen Prognosen für die Zukunft ableiten. Ein Fonds mit niedrigem SRRI ist nicht automatisch risikoarm – er war es lediglich in der Vergangenheit (letzten 5 Jahren!).

Marktveränderungen, neue Anlagestrategien oder veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen können das Risikoprofil eines Fonds jederzeit verändern. Der SRRI sollte daher nur als einer von mehreren Faktoren bei der Fondsauswahl betrachtet werden.

Das ist auch der Grund, weshalb wir oben bei der Beschreibung der einzelnen Risikoklassen deutlich höhere Kursschwankungen / Volatilitäten angegeben.

Die 5 zentralen Risikoarten bei Geldanlagen

Neben der Einteilung in Risikoklassen lassen sich Anlagerisiken auch nach ihrer Art unterscheiden. Das Verständnis dieser Risikoarten hilft Anlegern, die spezifischen Gefahren verschiedener Investments besser einzuschätzen und gezielt zu steuern.

Marktpreis- und Kursrisiko

Das Marktpreisrisiko beschreibt die Gefahr, dass der Wert einer Geldanlage durch Marktschwankungen sinkt. Besonders in Krisenzeiten können Aktienkurse oder Anleihewerte stark fallen. Bei börsennotierten Produkten ist dieses Risiko allgegenwärtig.

Anleger sollten bedenken, dass Kursverluste temporär oder dauerhaft sein können – ein wichtiger Unterschied für die Anlagestrategie. Wer einen langen Anlagehorizont hat, kann temporäre Verluste in der Regel aussitzen. Bei kurzfristigem Kapitalbedarf kann das Marktpreisrisiko jedoch zu realen Verlusten führen.

Zins-, Inflations- und Wechselkursrisiko

Das Zinsrisiko betrifft vor allem festverzinsliche Anlagen: Steigt das allgemeine Zinsniveau, verlieren bestehende Anleihen an Attraktivität und damit an Wert.

Das Inflationsrisiko besteht, wenn die Erträge einer Anlage unterhalb der Inflationsrate liegen – das investierte Kapital verliert dann real an Kaufkraft.

Das Wechselkursrisiko spielt bei internationalen Investments eine wichtige Rolle. Wer beispielsweise in US-Aktien investiert, ist auch von der Entwicklung des Euro-Dollar-Kurses abhängig. Ein starker Euro kann die Rendite schmälern, selbst wenn die Aktie im Dollarraum an Wert gewonnen hat. Umgekehrt kann ein schwacher Euro zusätzliche Gewinne bringen.

Liquiditaets- und Ausfallrisiko

Das Liquiditätsrisiko bezieht sich auf die Verfügbarkeit des angelegten Kapitals. Bei manchen Anlagen ist das Geld für einen bestimmten Zeitraum gebunden oder kann nur mit Abschlägen vorzeitig ausgezahlt werden. Aktien haben in der Regel ein geringes Liquiditätsrisiko, während Immobilienbeteiligungen oder geschlossene Fonds deutlich illiquider sind.

Das Ausfallrisiko beschreibt die Gefahr eines teilweisen oder vollständigen Kapitalverlusts. Dies kann durch die Insolvenz eines Emittenten, einen Börsencrash oder andere Faktoren eintreten. Bei Einzelaktien ist das Ausfallrisiko höher als bei breit gestreuten Fonds, die das Risiko über viele einzelne Titel verteilen.

Risikoklassen beliebter Anlageprodukte

ETFs, Aktien und Aktienfonds

ETFs und Aktienfonds werden im 7-Klassen-Modell typischerweise der Risikoklasse 4 oder 5 zugeordnet – abhängig von den enthaltenen Werten und der Anlagestrategie. Ein ETF auf den DAX oder den MSCI World gilt als weniger riskant als ein Branchenfonds, der nur in einen einzelnen Sektor investiert.

Einzelaktien können je nach Unternehmen und Branche in den Risikoklassen 4 bis 7 angesiedelt sein. Blue-Chip-Aktien grosser, etablierter Konzerne sind tendenziell weniger riskant als Aktien kleiner Start-ups oder Unternehmen aus volatilen Branchen.

Anleihen, Gold und Immobilienfonds

Anleihen variieren stark je nach Bonität des Emittenten: Staatsanleihen mit höchster Bonität gehören zur Risikoklasse 2, während Hochzinsanleihen (Junk Bonds) aufgrund des erhöhten Ausfallrisikos in Klasse 6 oder 7 fallen.

Gold wird häufig der Risikoklasse 5 zugeordnet, da der Preis stark von Angebot und Nachfrage abhängt und erheblichen Schwankungen unterliegen kann. Trotz seines Rufs als sicherer Hafen ist Gold keine risikoarme Anlage.

Offene Immobilienfonds gelten mit Risikoklasse 2 als vergleichsweise sichere Anlage, bieten dafür aber auch nur moderate Renditeaussichten.

Risiko und Rendite: Das magische Dreieck verstehen

Das magische Dreieck der Geldanlage

Warum höheres Risiko nicht automatisch mehr Rendite bringt

Ein verbreiteter Irrtum lautet: Höheres Risiko führt zu höherer Rendite.

Tatsächlich bedeutet eine höhere Risikoklasse lediglich, dass sowohl die Gewinn- als auch die Verlustchancen größer sind. Das Potenzial kann sich in beide Richtungen entwickeln.

Spekulative Investments können hohe Gewinne einbringen – oder das eingesetzte Kapital vernichten.

Das magische Dreieck der Geldanlage verdeutlicht diesen Zusammenhang: Die drei Ecken Sicherheit, Rendite und Liquidität stehen in einem Spannungsverhältnis.

Keine Anlage kann alle drei Ziele gleichzeitig maximieren. Wer hohe Renditen anstrebt, muss Abstriche bei der Sicherheit oder Liquidität machen.

Die eigene Risikobereitschaft ermitteln

Risikoklassen Geldanlage: Die persönliche Risikobereitschaft hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • dem Anlagehorizont,
  • der finanziellen Situation,
  • den Anlagezielen und
  • der emotionalen Belastbarkeit bei Kursverlusten.

Jüngere Anleger mit langem Anlagehorizont können in der Regel mehr Risiko eingehen als Anleger kurz vor dem Ruhestand.

Wichtig ist auch, dass sich die Risikobereitschaft im Laufe des Lebens ändern kann. Mit zunehmendem Alter oder veränderten Lebensumständen kann ein Wechsel von wachstumsorientierten zu sicherheitsorientierten Anlagen sinnvoll sein. Regelmäßige Überprüfungen der eigenen Anlagestrategie – etwa einmal jährlich – sind daher empfehlenswert.

Diversifikation als Schutz vor Verlusten

Streuung über verschiedene Risikoklassen

Anleger müssen sich nicht auf eine einzige Risikoklasse festlegen. Die Diversifikation – also die Verteilung des Kapitals auf verschiedene Anlageformen und Risikoklassen – ist eine bewährte Strategie zur Risikominimierung. So können sicherheitsorientierte Anlagen als Stabilitätsanker dienen, während renditeorientierte Produkte für Wachstum sorgen.

Auch innerhalb einer Risikoklasse ist Streuung sinnvoll: Wer in Aktien investiert, sollte nicht alles auf ein einzelnes Unternehmen setzen, sondern über verschiedene Branchen und Regionen diversifizieren.

Investmentfonds und ETFs bieten hier eine einfache und kostengünstige Möglichkeit zur breiten Streuung.

Portfolioaufbau in der Praxis

Ein ausgewogenes Portfolio könnte beispielsweise so aussehen:

Ein Anteil in sicheren Anlagen der Risikoklassen 1 bis 2 bildet das Fundament und dient als Notgroschen. Darauf aufbauend sorgen Investments der mittleren Risikoklassen 3 bis 4 für moderate Rendite bei überschaubarem Risiko. Ein kleinerer Anteil in den Risikoklassen 5 bis 6 kann für zusätzliches Wachstumspotenzial sorgen.

Die konkrete Aufteilung hängt von der individuellen Situation ab. Zu beachten ist auch, dass einzelne Transaktionen mit Kosten verbunden sein können. Wer häufig kleine Beträge umschichtet, schmelzt durch Gebühren die Rendite. Regelmäßiges Rebalancing – etwa einmal jährlich – hilft, die gewünschte Risikostruktur langfristig beizubehalten, ohne übermäßige Transaktionskosten zu verursachen.

Fazit: Mit Risikoklassen zur besseren Anlageentscheidung

Risikoklassen sind ein wertvolles Instrument für jeden Anleger. Sie schaffen Transparenz, erleichtern den Vergleich von Finanzprodukten und helfen bei der Entwicklung einer passenden Anlagestrategie. Das 7-Stufen-Modell bietet dabei eine differenzierte Einordnung von sehr sicheren bis hochspekulativen Investments.

Entscheidend ist, die eigene Risikobereitschaft realistisch einzuschätzen und das Portfolio entsprechend auszurichten.

Durch Diversifikation über verschiedene Risikoklassen hinweg lässt sich das Gesamtrisiko reduzieren, ohne auf Renditechancen verzichten zu müssen. Die perfekte, auf jeden Anleger zugeschnittene Risikoklasse gibt es nicht – aber mit dem richtigen Mix können Sie Ihre finanziellen Ziele erreichen.

Häufige Fragen zu Risikoklassen (FAQ)

Welche Risikoklasse haben ETFs?

Aktien-ETFs werden im 7-Klassen-Modell meist der Risikoklasse 4 oder 5 zugeordnet. Anleihen-ETFs haben meist Risikoklasse 2 oder 3. Die genaue Einstufung hängt von den enthaltenen Werten ab: Ein breit gestreuter Welt-ETF gilt als weniger riskant als ein spezialisierter Branchen- oder Länder-ETF. Der SRRI eines konkreten ETFs gibt Aufschluss über sein historisches Risikoprofil.

Welche Risikoklasse hat Gold?

Gold wird typischerweise der Risikoklasse 5 zugeordnet. Als Sachwert ohne laufende Erträge unterliegt der Goldpreis den Schwankungen von Angebot und Nachfrage. Trotz seines Rufs als sicherer Hafen kann Gold erhebliche Wertschwankungen aufweisen und ist daher keine konservative Anlage im eigentlichen Sinne.

Kann ich mehrere Risikoklassen kombinieren?

Ja, die Kombination verschiedener Risikoklassen ist sogar ausdrücklich empfehlenswert. Durch Diversifikation können Sie das Gesamtrisiko Ihres Portfolios senken und gleichzeitig von den Renditechancen höherer Risikoklassen profitieren. Ein ausgewogener Mix der Risikoklassen Geldanlage ist für die meisten Anleger die beste Strategie.

Wie oft sollte ich meine Risikoklasse überprüfen?

Eine jährliche Überprüfung ist sinnvoll. Bei wesentlichen Lebensveränderungen – wie Heirat, Geburt eines Kindes, Jobwechsel oder Annäherung an den Ruhestand – sollten Sie Ihre Risikobereitschaft und Portfoliostruktur zusätzlich überdenken und gegebenenfalls anpassen.

Was sagt die Sharpe Ratio aus?

Die Sharpe Ratio misst die risikobereinigte Rendite einer Anlage. Sie setzt die erzielte Überrendite (gegenüber einer risikolosen Anlage) ins Verhältnis zum eingegangenen Risiko. Ein Wert über 1 gilt als gut und zeigt, dass die erzielte Mehrrendite das zusätzliche Risiko rechtfertigt. Die Sharpe Ratio hilft beim Vergleich verschiedener Investments mit unterschiedlichem Risikoprofil.

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Bijan Kholghi ist Certified Financial Planner (CFP©) & Honorar-Finanzanlagenberater.
Seine Beratungsschwerpunkte sind Finanzcoaching, Vermögensanlagen und Kapitalmärkte,
sowie Vorsorgelösungen auf Nettobasis (ohne Provisionen).
Seit über 23 Jahren stellt er als selbständiger Berater die Interessen seiner Kunden in den Mittelpunkt seiner Beratung. Das sagen Kunden über Bijan Kholghi: Google Bewertungen