Was für ein Jahr. 😊

Höchststände im Februar folgte einer der stärksten und heftigsten Börsenabstürze seit 1929 im März, gefolgt von einer der schnellsten Erholungsbewegungen.

Zum Jahreswechsel 2020/2021 stehen die meisten Märkte an neuen Höchstmarken oder kurz davor.

Das hätte wohl so niemand erwartet.

Das beherzte Eingreifen der Notenbanken mit massiven, monetären Unterstützungsmaßnahmen hat das möglich gemacht.

Katalysiert durch Covid19 wurde eine Schere bei der Wertentwicklung zwischen „alter“ Industrie (sog. Value Werten), dazu zählen die Sektoren (alle Angaben ca. Werte)

  • Versorger (-5%)
  • Industrie (+1%)
  • Infrastruktur (-11%)
  • Banken (-22%)
  • Versicherungen (-10%)
  • Automobilindustrie (+5%)
  • Reisebranche (-14%)
  • etc.,

sowie Felder in denen Investoren die Zukunft sehen (sog. Growth Werte) wie z.B. (alle Angaben ca. Werte)

  • Technologiewerte (+47%)
  • erneuerbare Energien (+116%)
  • Cyber Security (+29%)
  • Cloud Computing (+43%)
  • Elektromobilität/Batterietechnik (+70%)
  • Automatisierung (+26%)
  • Künstliche Intelligenz (AI) (+50%)
  • Innovative Biotechnologie (+38%)
  • Bitcoin / Blockchain (+320%)
  • ESports & Gaming (+65%)
  • Plant-Based-Eating / Veganism (?)
  • etc.

In meinem Ausblick am Ende dieses Berichts, gehe ich detaillierter auf Implikationen für 2021 ein und greife einige spannende Zukunftsthemen auf.

Auf der politischen Bühne ist die Welt wohl erleichtert, dass der neue US-Präsident Joe Biden heißt, was in den kommenden 4 Jahren für eine versöhnlichere Rolle der USA in der Weltpolitik spricht.

Auf den letzten Drücker hat sich die EU und das vereinigte Königreich auf einen Vertrag zum geregelten Brexit geeinigt, in dem beide Seiten ihr Gesicht wahren können.

Aktien

Entwicklungen in 2020 ca.

S&P 500 (USA)   +16,25%

Nasdaq (Technologie)  +47,58%

DAX     +3,54%

MSCI Emerging Markets +15,84%

Konjunktur / Geldpolitik

Im März ist die Wirtschaft in den USA um einen Rekordwert von 31,40% eingebrochen, nach zuvor 128 Monaten des Wachstums (dem längsten Wachstumszyklus in der US-Geschichte).

Dabei hat das Quartalswachstum seit der Aufzeichnung 1947 nie mehr als ein Minus von 10% ausgewiesen.

Im dritten Quartal konnte eine genau so rapide Erholung von 33,10% gemessen werden.

Auf Jahressicht bleibt es jedoch bei einer Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts von 2,40%.

Für 2021 wird in den USA mit einem Wirtschaftswachstum von 4,2% gerechnet.

Aufgrund des 2. Lockdowns sowie den Auswirkungen auf die Wirtschaft, agieren die Notenbanken und Politik weiterhin stark unterstützend.

Die US-Notenbank FED kauft weiterhin mindestens 120 Milliarden USD monatlich an Verbindlichkeiten auf. Dies wird sie solange tun, bis eine nachhaltige Wirtschaftserholung einsetzt.

In den USA wird gerade ein neues Stimuluspaket verabschiedet, nach welchem jeder US-Bürger (Einkommensgrenzen) 2.000 USD erhalten soll.

Die Europäische Zentralbank senkte wegen der zweiten Pandemiewelle ihre Konjunkturprognose für 2021 für die Eurozone von ursprünglich fünf auf 3,9 Prozent. Für 2022 wurde die Schätzung allerdings von 3,2 auf 4,2 Prozent angehoben.

Dezember EZB Treffen
Vor allem die Aufstockung des PEPP um 500 Milliarden Euro und die Verlängerung bis März 2022 mutet sehr großzügig an. Das Krisenprogramm „Pandemic Emergency Purchase Programme“ (PEPP) hat damit ein Volumen von 1,85 Billionen Euro

Auch in Brüssel zeigt man sich überaus spendierfreudig, um zur Krisenbewältigung beizutragen. Die Umsetzung des 750 Milliarden Euro schweren EU-Aufbaufonds im Jahr 2021 dürfte im Zusammenspiel mit der großzügigen Liquidität für einen zusätzlichen Impuls sorgen.

Anleihen / Zinsen

Anleihen verweilen weiter auf historischen Tiefstwerten. Auch in den USA muss man sich seit 2020 zum erstem mal an Renditen unter 1% gewöhnen. Die 10 jährige US Staatsanleihe notiert aktuell bei ca. 0,90%.

Inflation

Die von vielen befürchtete Inflation ist aktuell nicht in Sicht. Auch die FED hat zuletzt betont, dass sie keine Anzeichen von anziehender Inflation sieht.

In den USA beträgt die jährliche Inflationsrate 1,20% (November 2020).

In der Eurozone war der Inflationswert im November bei minus 0,30%.

Währungen

Der US-Dollar hat im Jahr 2020 stark abgewertet. Der Euro konnte 8,86% zulegen.

Dieser Trend wird sich vermutlich auch in Zukunft fortsetzen.

Bisher hat der USD immer davon profitiert, dass die Zinsen auf US-Staatsanleihen deutlich höher waren als in Europa oder Japan.

Dieser Vorteil ist durch die Zinssenkungen der FED in 2020 nun nicht mehr vorhanden.

Die Corona-Bonds sind, wie Befürworter und Kritiker in seltener Übereinstimmung feststellen, ein großer Schritt in Richtung Euro-Bonds. Dieser historische Schritt eröffnet der Gemeinschaftswährung die Chance, zum „Big Player“ der internationalen Währungswelt aufzusteigen.

Denn Zentralbanken außerhalb der Eurozone können künftig erstmals in nennenswertem Umfang EU-Anleihen als Reserven halten – so wird die Europäische Union zum wichtigen Anleihe-Emittenten und der Euro zum Referenzwert auf dem Bondmarkt.

In gar nicht so ferner Zukunft könnte der Dollar nicht mehr die faktisch alleinige Leitwährung sein, sondern nur noch eine unter mehreren – etwa dem Euro oder dem chinesischen Yuan.

Rohstoffe

Der Ölpreis hat sich nach dem Schock im März etwas erholt, ist jedoch noch von seinen Höchstkursen von Anfang 2020 entfernt.

Erst wenn eine nachhaltige Erholung der Weltwirtschaft einsetzt, würde sich dies in steigenden Ölpreisen wiederspiegeln.

Einige Industriemetalle wie z.B. Kupfer konnten zum Jahresende neue Höchstkurse erreichen.

Gold / Silber

Gold und Silber verweilen seit dem starken Anstieg Mitte des Jahres auf hohem Niveau.

Erst wenn sich Inflationstendenzen zeigen, dürfte dies weiteren Auftrieb geben.

Durch die starke USD Abwertung gibt es starke Unterschiede zwischen der USD und der EUR Preisentwicklung.

                                    Gold                 ca. +20,1% in USD,      ca. +12,9% in EUR

                                    Silber               ca. +32,3% in USD,      ca. +26,3% in EUR

Ausblick 2021 / Zukunftsthemen

Seit März sind die Aktienkurse stark gestiegen. In Antizipation darauf, dass sich die Wirtschaft und das Gesellschaftsleben in 2021 wieder normalisieren.

Davon ist auch auszugehen.

Wie schnell dies wirklich gelingt, ist jedoch aktuell noch offen.

Aktuelle Risiken sind z.B.:

  • gefährlichere Covid19 Mutation
  • längere Lockdownzeiten wegen hoher Fallzahlen
  • Insolvenzwelle bei Unternehmen
  • stärkere wirtschaftliche Auswirkungen (Arbeitslosigkeit, etc.) als gedacht
  • es dauert länger als geplant, bis ausreichend Menschen geimpft sind

Negative Nachrichten können daher zu Jahresbeginn jederzeit zu einer Korrektur (Rückgang von 10-15%) an den Aktienmärkten führen. Diese wäre nach der starken Aufwärtsbewegung seit März mittlerweile überfällig.

Ein größerer Crash scheint eher unwahrscheinlich, da Politik und Notenbanken bereit stehen weiter zu unterstützen.

Da die Börsen immer die Zukunft antizipieren, muss es jedoch nicht zwingend zu einer solchen Korrektur kommen. Die meisten Experten sind sich einig, dass früher oder später im Jahresverlauf eine Normalisierung der Situation stattfindet.

Sobald dies passiert, können wir es alle wahrscheinlich kaum abwarten, wieder in Restaurants zu essen, zu Reisen und unser gespartes Geld anderweitig auszugeben.

Diese positive Aussicht auch über 2021 hinaus, könnte die Börsen weiter beflügeln.

Mittelfristig sind damit die Börsenampeln weiterhin auf grün. Auch wegen der Alternativlosigkeit durch die zusätzlich weggefallenen Zinsen in den USA.

Für 2021 ist es wahrscheinlich, dass von einer Normalisierung der Situation besonders die Werte profitieren, die aktuell noch besonders abgeschlagen sind.

Die Werte der „alten Industrie“ (Value Titel) dürften an Fahrt gewinnen und bei den Technologie- und Zukunftswerten könnte sich die Fahrt verlangsamen.

So würde sich die zu Beginn dieses Berichts angesprochene Schere wieder etwas normalisieren.

Eine Abkühlung würde vielen gehypten Zukunftswerten sicher guttun.

Andererseits ist nicht davon auszugehen, dass Technologie- und Zukunftsthemen wieder verschwinden. Sicher werden diese mittelfristig weiter eine bedeutende Rolle spielen.

Im Anhang greife ich daher einige bedeutende Zukunftsthemen auf, die voraussichtlich in der kommenden Dekade weiter an Dynamik gewinnen werden und die man als Investor auf dem Radar haben sollte.

Ich wünsche Ihnen alles Gute für 2021 und vor allen Dingen bleiben Sie weiterhin gesund!

Ihr Bijan Kholghi

Zukunftsthemen

Megatrend Nachhaltigkeit / Erneuerbare Energien

Der Trend in erneuerbare Energien dürfte in diesem Jahr auch den letzten Zweiflern klar geworden sein. Das Nachhaltigkeitsthema gewinnt weiterhin an Bedeutung.

Diesbezüglich markierte 2020 einen Wendepunkt, nachdem die EU und Japan zugesagt hatten, bis 2050 CO2-neutral zu werden.

China will dieses Ziel bis 2060 erreichen. Und in den USA ist mit Joe Biden als Präsident mit einer Klimakehrtwende zu rechnen. Die grüne Transformation einiger der größten Industrien der Welt könnte gerade jetzt ihren Anfang nehmen.

Elektromobilität

https://www.iea.org/data-and-statistics/charts/global-electric-car-stock-2010-2019

2020 war das Jahr in dem die Elektromobilität breite Akzeptanz als ein entscheidendes Fortbewegungsmittel der Zukunft erlangt hat. Dies zeigen die Kursentwicklungen der Titel aus diesem Bereich, allen voran Tesla (+743%).

Die Nachfrage hat sich im vergangenen Jahr durch viele lokale sowie staatliche Initiativen stark ausgeweitet.

China dominiert den EV (Electric Vehicle) Markt mit ca. 1,30 Mio. verkauften Fahrzeugen in 2020 ein Plus von 8% gegenüber dem Vorjahr, trotz der Krise.

Die chinesische Regierung unterstützt massiv Neuzulassungen von EV’s. Einige chinesische Metropolen (Shenzhen) haben bereits ihre gesamte Busflotte auf elektrische Fahrzeuge umgestellt.

In den europäischen TOP 5 Märkten hat sich der Absatz von EV’s im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt (+120%).

Kalifornien hat als erster US Bundesstaat angekündigt bis 2035 den Verkauf von rein benzinbetriebenen Fahrzeugen zu verbieten. Dieser Schritt könnte Vorbildfunktion haben.

Großbritannien plant ein Verkaufsverbot von herkömmlichen Fahrzeugen von 2040 auf 2030 vorzuziehen, um die gesteckten Emissionsziele zu erreichen. Japan plant ebenfalls den Verbot nach 2030.

Auch die Bundesregierung subventioniert Elektromobilität und viele Städte investieren Millionen um das Thema nach vorne zu bringen.

Nächste Entwicklungsschritte sind autonomes Fahren sowie unbemannte Taxiservices. Zu beiden Themen gibt es in China sowie den USA sehr erfolgsversprechende Pilotprojekte.

Batterieentwicklungen

Der chinesische Batteriehersteller CATL entwickelt eine neue Technologie mit deren Hilfe Batterien innerhalb des Fahrzeugchassis verbaut werden können, was die Reichweite eines Fahrzeugs auf bis zu 800km erhöht.

Die Fa. Blackstone macht große Fortschritte im 3D Druck von Lithium-Ionen-Batterien. Die effiziente Fertigungstechnik soll die Produktionskosten senken sowie die Energiedichte um 20% steigern.

Toyota und die Universität von Kyoto entwickeln gerade eine Fluorid Ionen Batterie, die 7 mal effizienter als übliche Lithium Ionen Batterien sein soll. Das würde die Reichweite von Elektrofahrzeugen auf 1.000km mit einer Batterieladung erhöhen.

Der chinesische EV Autobauer NIO ermöglicht das Austauschen der Fahrzeugbatterie in Minuten in dafür extra ausgerichteten Stationen. Damit ist das Warten auf die Aufladung obsolet. Fahrzeuge werden bald ohne Akku verkauft, was den Preis deutlich wettbewerbsfähiger macht und die Batterien werde über ein Leasingmodell (BaaS, Battery-as-a-Service) angeboten.

Auch Marktführer Tesla setzt neue Standards durch immer weitere Optimierung seiner Batterietechnologie.

Quellen:
Global EV Outlook 2020
PWC eMobility Sales Review Q4
Phase Out Fossil Fuel Vehicles

Kryptowährungen / Bitcoin / Blockchain

Die expansive Politik der Notenbanken und die damit verbundene Schwächung des USD als Leitwährung hat dem Bitcoin zu neuen Höchstkursen verholfen. Die Akzeptanz der Anleger gegenüber der digitalen Kryptowährung als echte Alternative zu Papierwährungen und Gold hat sich erhöht.

Immer mehr institutionelle Anleger nutzen Bitcoin als Diversifikationsinstrument in ihren Portfolien. Immer mehr handelbare Finanzprodukte kommen auf den Markt.

Die Marktkapitalisierung von Bitcoin ist verglichen mit Aktienmärkten immer noch sehr klein.

Quelle: Allianz Global Investors

Es gibt erste Gerüchte, dass CEOs von großen US-Techfirmen mit dem Gedanken spielen, einen Teil Ihrer Milliarden Cash Reserven in den Bilanzen von USD in Bitcoin umzuschichten.

Diese Entwicklungen sollten die Kryptowährung langfristig weiter beflügeln. Kurzfristig muss man immer mit sehr hohen Schwankungen und Rücksetzern rechnen.

Gleichzeitig sind nach wie vor auch viele Spekulanten in dem Markt unterwegs.

Biotechnologie / Genforschung

Die moderne Genforschung verspricht massive medizinische Fortschritte in den kommenden Jahren. Durch die neu entwickelte CRISPR/Cas9 (clustered regularly interspaced short palindromic repeats) Technologie sind Wissenschaftler in der Lage die menschliche DNA zu modifizieren.

Die Forschungen zu dieser Technologie ist die Grundlage für die ersten Corona Impfstoffe und könnte ein Schlüssel in der Behandlung von vielen Erkrankungen wie Krebs, Diabethes, Alzheimer, Pakinson, etc. sein.

Auch die Verbindung von künstlicher Intelligenz und moderner Genforschung verspricht interessante neue Möglichkeiten. (Artikel1, Artikel2)

Plant Based Eating / Pflanzliche Ernährung / Veganismus

Es ist mittlerweile wissenschaftlich unbestritten, dass die fleischlastige Ernährung unserer Wohlstandsgesellschaft in direktem Zusammenhang steht mit den steigenden Zahlen an Krebs- und Diabeteserkrankungen, Übergewicht, Bluthochdruck, Schlaganfall, etc.

Daraus hat sich in den letzten Jahren ein nachhaltiger Trend entwickelt.

Menschen reduzieren bewusst ihren Fleischkonsum und bevorzugen eine ausgewogene pflanzliche Ernährung.

Dies Trend sollte sich weiter fortsetzen.

Unternehmen die z.B. in der Produktion von alternativen Fleischprodukten auf Pflanzenbasis tätig sind, werden weiter profitieren.

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