Kapitalmärkte aktuell – Januar 2020
Jahresrückblick 2019 / Trends 2020

Rückblick 2019

 

  • 2019 geht als hervorragendes Börsenjahr in die Geschichte ein
  • Börsenaufschwung im Wesentlichen gestützt durch Notenbankpolitik
  • Konjunkturindikatoren verbessern sich zum Jahresende
  • Teileinigung im Handelskonflikt USA/China kurz vor Abschluss
  • Brexit rückt näher durch positives Wahlergebnis für Premier Johnson
  • Wachstumsabschwächung in China belastet Emerging Markets Börsen

Trends 2020

  • Zinsen bleiben langfristig niedrig – dies wirkt weiter stützend für Aktienmärkte
  • US-Wahljahr spricht für weniger politische Eskalationen
  • US-Wirtschaft weiter solide
  • Wachstum der Unternehmensgewinne wird sich weiter verlangsamen
  • Europa weiter mit geringerem Wachstum und höheren Dividendenrenditen
  • Deutschland vielfältige Herausforderungen
  • Chinas Wirtschaftswachstum wird sich weiter abschwächen
  • US-Dollar Abschwächung wahrscheinlich
  • Inflation bleibt weltweit niedrig
  • Nachhaltigkeits- und Umweltkriterien etablieren sich weiter als Anlagetrend

Aktien – 2019 geht als hervorragendes Börsenjahr in die Geschichte ein

Entgegen aller Erwartungen und trotz extremer politischer Unsicherheiten geht das Jahr 2019 als ein hervorragendes Börsenjahr in die Geschichte ein.

Dies zeigt, dass Börsen sich weniger an Politik ausrichten, sondern mehr an wirtschaftlichen Entwicklungen sowie der Geldpolitik der Notenbanken.

Insbesondere das Umschwenken der Notenbanken hat uns dieses hervorragende Börsenjahr 2019 beschert.

Entwicklung von Januar bis Dezember 2019

S&P 500 (USA)                           ca.      28,87%

MSCI Emerging Markets           ca.      15,06%

EuroStoxx50                             ca.      24,77%

DAX                                          ca.      25,47%

 

Lediglich in China konnte die Börsenentwicklung nicht ganz mit der in den Industrieländern mithalten. Die weiter sinkenden Wachstumszahlen haben die Börsen belastet.

Konjunktur – Indikatoren verbessern sich zum Jahresende

Nach Stabilisierungstendenzen im 3. Quartal konnten viele Konjunkturindikatoren im 4. Quartal positiv überraschen.

So konnte sich beispielsweise der deutsche IFO Index auf zuletzt 96,3 Punkte im Dezember erholen.

In den USA gibt es weiter gemischte Zahlen.

Solide Zahlen konnten bezogen auf den Arbeitsmarkt sowie privaten Konsum, die Hauptstürze der US-Wirtschaft, berichtet werden.

Das Wachstum der US-Unternehmensgewinne ist weiter rückläufig und Investitionen von US-Unternehmen sind nun schon 2 Jahre in Folge nahe Null.

In China gibt es, nach sehr schlechten Konjunkturzahlen im Jahresverlauf, sowie staatlich eingeleiteten Gegenmaßnahmen, Stabilisierungstendenzen.

Geldpolitik – Börsenaufschwung im Wesentlichen gestützt durch Notenbankpolitik

Die amerikanische FED sowie Notenbankchef Jerome Powell haben eingestanden, dass sie sich in ihrem positiven, kurzfristigen Konjunkturausblick zu Beginn des Jahres 2019 geirrt haben.

Dies hat zu einer 180 Grad Kehrtwende und 3 Zinssenkungen im Jahresverlauf 2019 geführt.

Die damit einhergehende Liquiditätsschwemme war sicher der Hauptgrund für die so stark gestiegenen Aktienmärkte in 2019.

Für 2020 gehen die meisten Marktteilnehmer davon aus, dass die Notenbank die Zinsen auf dem jetzigen Niveau belässt und keine Zinsschritte unternimmt.

Einige gehen, aufgrund des politischen Drucks, den Herr Trump auf die Notenbank ausübt, von einem weiteren Zinssenkungsschritt zur Ankurbelung der Wirtschaft aus.

Auch die neue Chefin der europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, wird am expansiven Kurs Ihres Vorgängers Draghi für 2020 festhalten, um die europäische Wirtschaft zu unterstützen.

Dieser monetäre Rückenwind wird die Aktienmärkte auch im Jahr 2020 stützen.

Handelskonflikt USA / China

Es sieht nach einer ersten Teileinigung im Streit der USA und China aus.

China verpflichtet sich, bedeutend mehr US-Güter zu importieren (das Abkommen spricht von 200 Mrd. USD mehr als 2017 über einen Zeitraum von zwei Jahren), um den Handelsüberschuß zu reduzieren.

Im Gegenzug verzichtet die Trump-Regierung auf die geplante Einführung von Zöllen auf die verbleibenden China-Importe in Höhe von rund 160 Mrd. USA, die sonst zum 15. Dezember in Kraft getreten wären, und senkt Importabgaben für weitere 120 Mrd. USD auf 7,5%.

Allerdings bleiben Zölle in empfindlicher Höhe (25%) auf Importe in Höhe von 250 Mrd. USD bestehen, ein chinesisches Zugeständnis hart an der Grenze des Gesichtsverlusts für Xi Jinping und ein enormer PR-Erfolg für Donald Trump.

Letzterer wird nun wie geplant durch den 2020 Wahlkampf tingeln können und sich als größter Dealmaker aller Zeiten feiern lassen.

Brexit

Premierminister Boris Johnson konnte bei der Parlamentswahl am 12. Dezember überraschend eine klare Mehrheit erzielen.

Damit scheint einem geregelten Austritt Großbritanniens in 2020 nichts mehr im Wege zu stehen.

Das Wahlergebnis im Vereinigten Königreich wurde vom Markt positiv aufgenommen, abzulesen etwa an der Performance des Pfund gegenüber dem Euro.

Damit zeigt sich einmal mehr der Pragmatismus der Marktteilnehmer.

Ganz vom Tisch ist ein harter Brexit damit noch nicht, muss sich erst mal mit der EU geeinigt werde.

Anleihen / Zinsen

Durch die Zinssenkungen der Notenbanken haben die Kurse von Anleihen in 2019 nochmal einen Aufwind erlebt.

Dieser einmalige Effekt dürfte jedoch schwer zu wiederholen sein.

Für 2020 wird von stagnierenden Kursen bei weiter historisch niedrigen Zinsen ausgegangen.

Kein positiver Ausblick für die Anlageklasse Anleihen.

Lediglich Hochzins-Unternehmensanleihen sowie Schwellenländerstaatsanleihen bieten noch einen gewissen Zins für das entgegenstehende Kursrisiko.

Inflation

In den USA ist die Inflation im November leicht angestiegen auf 2,10%.

In der Eurozone liegt die Inflation zuletzt (November 2019) bei 1% und damit weit unter dem Ziel der EZB von 2%.

Für 2020 gehen Experten von einer stagnierenden Inflation aus.

Währungen

Zum Ende des Jahres hat der der US-Dollar an Stärke verloren. Die Auswirkungen der Notenbank Kehrtwende scheinen sich nun auch auf dem US-Dollar auszuwirken.

Dadurch konnte der Euro an Wert gegenüber dem US-Dollar gewinnen.

Experten gehen auch für 2020 davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt. In Abhängigkeit von den wirtschaftlichen Entwicklungen und der daraus resultierenden Notenbankpolitik könnte der US-Dollar weiter abwerten.

Rohstoffe

Der Ölpreis (Brent) konnte seit Jahresbeginn 22,51% zulegen, befindet sich seit dem ersten Quartal 2019 jedoch in einer Seitwärtsbewegung.

Industriemetalle haben sich unter großen Schwankungen seitwärts bewegt. (Z.B. Kupfer +3,03%)

Gold / Silber

Gold und Silber konnten sich im Jahr 2019 sehr positiv entwickeln. Die politischen Unsicherheiten sowie die expansive Geldpolitik der Notenbanken werden als Gründe angeführt.

Gold                 ca. +18,31% in USD,    ca. +20,85% in EUR

Silber               ca. +16,50% in USD,    ca. +19,03% in EUR

Trends 2020

Für 2020 gehen die meisten Experten davon aus, dass die US-Wirtschaft weiter solide mit ca. 1,9% nominal (ca. 3,90% mit Inflation) wachsen wird.

Für Europa sehen die Prognosen, mit 1,20% nominalem Wachstum, nach wie vor etwas schwächer aus.
Besonders Deutschland steht dabei vor vielfältigen Herausforderungen.

Die deutsche Wirtschaft profitiert zwar vom US-Wachstum, ist jedoch ebenfalls von sinkenden Nachfragezahlen im Automobilbereich sowie aus China betroffen.

Dafür sind natürlich auch die Bewertungsniveaus europäischer Aktien auf einem viel günstigeren Niveau und die Dividendenrendite entsprechend deutlich höher.

Die folgende Grafik zeigt das die Bewertungsniveaus verschiedener Aktienmärkte, vor den letzten beiden Finanzkrisen 2000 und 2007 verglichen mit heute.

en Anlagestrategie zu folgen.

Lediglich US-Aktien sind etwas teurer bewertet als im Jahre 2007, jedoch immer noch deutlich günstiger als im Jahr 2000.

Interessant ist auch ein historischer Vergleich der Dividendenrendite im DAX verglichen mit der Verzinsung von Bundesanleihen.

In China hat man bereits auf die Wachstumsabschwächungen reagiert und staatliche Gegenmaßnahmen eingeleitet.

Die chinesische Führung erklärte zuletzt, dass man nicht an den nominal 6% p.a. als Wachstumsziel festhalte, sondern dass es höhere Priorität habe, ein nachhaltiges Wachstum anzustreben.

Experten gehen für 2020 von einem Wirtschaftswachstum um die 5,8 – 6% aus.

Politisch sollte das Jahr 2020 etwas ruhiger verlaufen, muss sich Donald Trump im US-Wahljahr doch positiv darstellen.

Nicht nur dadurch, dass das Thema Nachhaltigkeit und Umwelt mehr ins öffentliche Interesse gerückt ist, sondern im Wesentlichen durch die verstärkte Nachfrage institutioneller Investoren etabliert sich das Thema nachhaltig ausgerichtete Anlagen immer mehr.

Auch die Produktlandschaft verbesserte sich 2019 erfreulicherweise deutlich in diese Richtung.

Wer mich etwas länger kennt, weiß, dass ich eine Meinung zu zukünftigen Marktentwicklungen für sehr gefährlich halte.

Das letzte Jahr hat gezeigt, dass Märkte und Börsen unprognostizierbar sind.

Und das wird aus meiner Sicht auch so bleiben.

Es hat sich auch gezeigt, dass ein nicht investiert sein, wegen politischer Risiken und Crashprognosen ein großer Fehler war.

Nach den starken Kursanstiegen Ende 2019 muss man sich jederzeit auf kurzfristige Rückschläge einstellen.
Mittelfristig scheint es jedoch noch etwas weiter zu gehen mit der Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten, getrieben durch Nullzinsen und unterstützende Notenbanken.

Daher verspricht auch für die Zukunft ein strategisch ausgerichteter Investitionsprozess mit langfristigem Anlagehorizont die beste Rendite.

Vorausgesetzt man behält unterwegs die Nerven, wobei ich Sie natürlich unterstütze. 😊

Ich wünsche Ihnen alles Gute, viel Erfolg und Gesundheit für 2020.

Ihr Bijan Kholghi

DANKE FÜRS TEILEN